daegu han-ok: a last [picture] show

a downtown daegu han-ok bound for demolition within a fortnight from now has its last moments of fame as location for an intimate exhibition of plans & models of –still-alive– neighbouring conspecifics: 5 urban han-oks drawn and built to scale by 20 students in the module architectural design basics at the department of architectural engineering of keimyung university, initiated and organized by martina günther.

daegu, seo-seomg-ro 14-gil / 33-7
monday 2012.10.22 – 2012.10.29

opening with presentation
monday 2012.10.22, 02.45 pm

the exhibition would not have been possible without the great support of
_kwon, sang-gu & team, jungu communitty design centre, daegu
_lim, young-hee

 

Das Interview führte Claudia Guter, BÜRO FÜR GESPRÄCHSKULTUR München

Interview mit der Münchner Architektin, Martina Günther, die zwei Jahre lang als Professorin an der katholischen Keimyung-Universität in Daegu, einer Millionenstadt in Südkorea, Architektur unterrichtet hat. Im Juli kehrte sie nach München zurück, immer noch gefangen von ihren Eindrücken aus dem Land, das sich in den letzten Jahrzehnten rasant zu einem selbstbewussten Tigerstaat entwickelt hat.
Wenn man hierzulande von Südkorea hört oder liest, geht es meist um den Konflikt mit dem Norden. Als Reiseland oder gar als Arbeitsort ist Südkorea bislang noch wenig entdeckt.

1.    Frau Günther, was hat sie gereizt, ausgerechnet in Südkorea eine Professorenstelle auf Zeit anzunehmen?
Um ehrlich zu sein, stand zunächst die Aussicht auf ein festes Gehalt im Vordergrund. Als freiberufliche Architektin führe ich seit 1999 ein Architekturbüro in München. Beim Bauen kann ich eigene Ideen realisieren. Daneben habe ich aber schon immer Architektur gelehrt und auch geforscht. Diese Art der Berufstätigkeit ist zwar anregend und wunderbar, hat sich aber finanziell nicht mehr getragen.
Als mein Sohn dann 2011 sein Fachabitur in der Tasche hatte, konnte ich dieses Ende der mütterlichen Betreuungsphase nutzen, um einen Lehrauftrag im Ausland anzunehmen. Es ist eher zufällig Daegu im Süden von Korea geworden.

2.    Was waren anfangs die größten Herausforderungen für Sie, um sich in Südkorea zurechtzufinden?
Herausfordernd war vor allem die Verständigung. Englisch ist in Korea nicht sehr verbreitet. Ich sprach zunächst kein Wort Koreanisch und habe mir erst im Laufe der zwei Jahre ein paar Brocken angeeignet. Wenn man die Nachbarn kennen lernen möchte oder mit dem Hausmeister verhandeln muss, merkt man erst, wie schwierig das ohne gemeinsame Sprache ist.
Auch das Uni-Leben ist anders organisiert, als ich es von Deutschland kenne. Informationen werden oft auf informellem Weg, beim Mittag- oder Abendessen oder über den Flurfunk, ausgetauscht. So wurde ich das ein oder andere Mal von Events überrascht, von denen ich schlicht nichts mitbekommen hatte. Ohne Sprache und Netzwerk ist man erst einmal ziemlich verloren.

3.    Wie fühlten Sie sich persönlich als ausländische Professorin an der Universität aufgenommen?
Mir wurden sehr viele Sympathien entgegengebracht. Die Stimmung war überaus freundlich, höflich und herzlich. Das hat die gemeinsame Arbeit angenehm gemacht und über die ersten Hürden hinweggeholfen. Viele meiner ausländischen Kolleginnen und Kollegen empfinden dies ebenso. Und viele verlängern ihre Verträge Jahr um Jahr, weil ihnen die Studierenden ans Herz gewachsen sind.

4.    Welche Architektur-Trends sind denn in Südkorea gerade aktuell?
Wenn man unter Trend so eine Art Mode versteht, dann gilt für Repräsentationsbauten hauptsächlich Westimport. Ein Beispiel ist das neue Museum für Design, Dongdaemun Design Plaza&Park in Seoul. Es wird von der britischen Star-Architektin Zaha Hadid realisiert. Aber auch Städte wie Busan und Daegu engagieren oft international tätige Star-Architekten, um herausragende oder Stadtbild prägende Gebäude zu schaffen. Diese Art von branding kennen wir in europäischen Städten. In Korea, und auch in China, ist das jetzt auch sehr angesagt.

10. Und wie wohnt die typische koreanische Familie?
Die wohnt momentan noch in einem der 20-, 30- oder auch 40-stöckigen Apartmenthochhäuser, die in Südkorea circa 60 % der Bevölkerung beherbergen. Doch immer mehr junge Leute wünschen sich, ebenso wie in Deutschland, ein Häuschen auf dem Land. Am besten mit einem für Korea eher untypischen Satteldach. Das wird in Korea gerade große Mode. Ich habe diese sehr spannende koreanische Alltagsarchitektur während meines Aufenthalts für mich entdeckt und beschäftige mich nach wie vor intensiv damit.

5.    Konnten Sie bleibende berufliche Kontakte knüpfen, oder gibt es gar schon spruchreife Zukunftsprojekte?
Ja, durchaus. Im Oktober zeige ich die Ausstellung korean typologies im Koreanischen Kulturinstitut in Berlin. Dabei geht es um koreanische Wohnhaustypen. Konzipiert habe ich die Ausstellung zusammen mit meinem Architekturpartner und Universitätskollegen aus Südkorea für das Maximiliansforum in München, wo sie im Januar diesen Jahres schon zu sehen war und auf große Resonanz stieß.
Ein Traum wäre es, eines der traditionellen koreanischen Häuser instand zu setzen. Die verfallen in den Städten nämlich zuhauf, weil sich momentan keiner für den Erhalt interessiert.

6.    Und wie realistisch ist dieser Traum?
Schau mer mal. In den zwei Jahren stieß meine fachliche Meinung bei Ausstellungen und Konferenzen auf großes Interesse. Insbesondere mein Fachwissen aus Deutschland, was Sanierung, Umbau etc. angeht, war gefragt. Schon möglich, dass es klappt. Und wenn es soweit ist, dann wird es schnell gehen: Die Koreaner planen heute und bauen morgen. Da werde ich zusehen müssen, dass ich rasch einen Flug bekomme.