Tag Archives: studentenstadt münchen

30Aug/12

089 professorenhäuser: evolution

ernst maria langs professorenhäuser in der studentenstadt münchen: a.d. 2009 auf eis gelegt [vgl.beitrag von 2009], aber knapp drei jahre später wieder aufgetaut. die aufgabe nun: die drei einfamilienhäuser sollen zu apartments für studierende umstrukturiert werden: apartments für einzelne studierende und/oder studierende mit kindern. d.h. eltern-kind-apartments (2,5 we) oder apartments für jeweils einen erwachsenen mit kind (1,5 we).

anhand einiger varianten zeichnen wir im folgenden den verlauf des entwurfsprozesses nach:

a [20.05.2012]:

inside-out [externe erschliessung]


in jedem haus wird es zukünftig 5 apartments mit individualräumen, eigenen sanitärzellen und kleinküchen geben. jede einheit hat einen eigenen direkten zugang vom außenraum. (referenz: studentenviertel olympisches dorf; wohnwürfel, studentenstadt freimann) die vorhandene innere erschließung wird zugunsten einer individuellen außenerschließung aufgegeben.

skizze: schnitt mit neuen sanitärräumen im vormaligen treppenhaus

der freiwerdende treppenraum nimmt die neu zu erstellenden sanitärzellen auf und wird zur nutzfläche.


eingangs-/obergeschoss: bestand und vorschlag

garten-/untergeschoss: bestand und vorschlag

der eigene eingang bietet im gegensatz zum gemeinsamen treppenhaus einen hohen grad an freiheit. die direkte erschließung über den aussenraum aktiviert und belebt diese unternutzten flächen und stärkt kommunikation und gemeinschaftsgefühl unter den bewohner/innen.

b [30.05.2012]:

küchenbox, küchenspange, offene küche

küchenbox

konzeptskizze, eingangs/obergeschoss, garten/untergeschoss

wir versorgen die wohneinheiten mit je einer hochkompakten, -installierten und -wirtschaftlichen dienenden funktionskiste: neben schlafen, kochen, körperpflege nimmt sie auch die hls-technik nahezu allumfänglich auf. mittig in die hausachsen geschoben, teilen diese kisten die von ihnen bedienten räume zu gleichen größen. an gemeinschaftsflächen offerieren wir den gleichberechtigt erreichbaren und gut einsehbaren gemeinschaftsraum im eingangsbereich.

arbeitsmodell, maßstab 1:20

küchenspange

eingangs/obergeschoss, garten/untergeschoss

wir ordnen alle installationsintensiven räume in einer klaren spange an, nebeneinander & übereinander.

offene küche

konzeptskizze, eingangs/obergeschoss, garten/untergeschoss

wir stricken das bestehende treppenhaus in richtung süden noch ein wenig weiter, entschäerfen den psychoesquen hinabstieg in den vermeintlichen keller, öffnen kleine soziale grüppchen, zu zweit oder dritt in einer küche, alle zusammen dann erst im eingangsgeschossigen gemeinschaftsraum. optionale intrusion von nasszellen in die offene küche, optional selektive zugangskontrolle zu den offenen küche.

offene küche: perspektive vom standort eingang in richtung süden

c [24.06.2012]:

supermax



eingangs/obergeschoss, garten/untergeschoss

supermax minds the gap
in der ca 900 mm tiefen kollektorfassade, in der abweichung von genehmigter baulinie und gebauter realität erfreuen sich sanitärzellen einfachster instalation & revision und deren nutzer eines taghellen natuerlich belüfteten raumes der körperkultur.
supermax mehr netto als brutto
8½ [in worten: acht ein-halb] wohneinheiten kommen in supermax unter. 4 mutter-kind einheiten sowie eine mutter-vater-kind kombination. und das bei wohl unschlagbaren 19,2 m2 je wohneinheit!
supermax zeigts dem wdvs
[wasch]raumhaltige fassade statt polystyrolschaumstoffgebappe. reversibel, demontierbar, kreislauffähig.
supermax hat gute freunde
nassräume, wie sie rudolf schindler sich immer gewünscht hat, wie kazuo seijima und ryue nishizawa sie an ihren kitagata apartments auch schon vorgeführt haben oder wie werner sobek sie nicht müde wird einzufordern, hinter einer fassade wie sie anne lacaton und jean-philippe vassal zur freude gereichen würde.

 

… to be continued!

01Feb/09

089 professorenhäuser

studentenstadt münchen
die größte studentische wohnanlage deutschlands wurde von den Architekten ernst maria lang und sepp pogadl nach einem gewonnen wettbewerb realisiert. mit der städtebaulichen typologie trug man der nähe zum englischen garten und der lage an der isarhangkante mit der idee des durchfließenden landschaftsraumes rechnung. im landschaftsraum der isar gelegen war eine befreiung von den bestimmungen der landschaftsschutzverordnung nötig. die anlage sollte nach dem vorbild der cité universitaire in paris auch die idee einer internationalen stadt wiederspiegeln.

die studentenstadt, deren träger das studentenwerk münchen ist, war ursprünglich für 5.000 studierende vorgesehen. heute leben ca. 2.500 menschen in 14 häusern. in mehren bauphasen wurde die studentenstadt von 1961 bis 1977 errichtet. die »altstadt« befindet sich auf der tiefer gelegenen landschaftsterrasse, die »neustadt« auf der etwa 2,50 m höher gelegen topografie.
die studentenstadt war nicht nur in ihrer städtebaulichen ausformulierung von der ideen einer »modernen« stadt geprägt. auch das akademische zusammenleben sollte neue wege beschreiten. das zusammenleben der studierenden in wohngruppen und hausgemeinschaften, die anlage eines zentralen platzes mit gemeinschaftlichen funktionen und auch die unterbringung von professoren und ihren familien inmitten des studentischen wohnens waren konzeptionelle ideen, den universitäts-/campusgedanken auf das wohnen zu übertragen: die professoren sollten ansprechbar sein, ein öffentlicher anteil im wohnhaus, das arbeitszimmer mit bibliothek, zeugt davon.

die terrasse ist der studentenstadt einziger punkt, an dem der durch die isar-hangkante entstandenen höhensprung von gut 2 m deutlich herausgearbeitet ist; in der namensgerecht sonst recht flachen münchner schotterebene ist ein solcher höhensprung schon bemerkenswert. die ursprüngliche wegeführung gab den professoren-/atelier-häusern eine privatheit in mitten des durchfließenden grünraumes. der gekappte durchweg hinterläßt eine terrasse, welche abgekoppelt von der ursprünglichen idee des belebten treffpunktes allenfalls noch privat genutzt wird.


[links: derzeitige situation; rechts: vorschlag g&s]

das potenzial des öffentlichen raumes, des durchfließenden, besiedelten parkes ist unserer meinung nach nicht in vollem umfang genutzt: ortsbezogene themen die da lauten könnten »wohnen im park«, akzentuierung der hangkante« oder »übergang zum englischen garten und zur isar« warten noch auf eine klärende (wieder-)bespielung

aufgabe

modernisierung, umbau und anpassung der 3 professoren-häuser an die nutzung als zeitlich begrenztes professoren/familienwohnen. neuberufene professorinnen und professoren, die aus anderen ländern/städten kommen werden künftig die möglichkeit haben, mit ihren familien die häuser zu beziehen, um von einem familiengerechten wohnsitz aus ihre hochschularbeit aufnehmen zu können und sich eine dauerhafte wohnsituation zu schaffen. die bestehenden häuser sind mit ihrer attraktiven lage am englischen garten, nahe der u-bahn und mit ihrem großzügigen räumlichen angebot dazu überaus geeignet. das studentwerk hat derzeit keinerlei angebot für professoren und deren familien. nach 40 jahren ist eine räumliche adaption sicher genauso nötig, wie die beseitigung baulicher, bauphysikalischer, haustechnischer und energetischer defizite.


[baulicher bestand mit defiziten]

ziel
unser ziel ist es, die vorhandenen potentiale der gebäude freizulegen, den bestand klärend zu erhalten, aber auch neu zu interpretieren. die teilweise überformten ursprünglichen städtebaulichen, räumlichen, architektonischen ideen respektieren, ihre lesbarkeit nicht weiter zerstören, sie vielmehr präzisierend einer heutigen nutzung anpassen. im sinne einer kreativen und kritischen denkmalpflege, auch wenn die häuser nicht unter denkmalschutz stehen.
hohe flexibilität mit ausklinkbaren und schaltbaren einheiten für eine weitere generationen. das haus muss in seiner rolle als aneigenbares mietobjekt in ausstattung und benutzbarkeit schlicht und robust sein; berücksichtigung von barrierefreier nutzung des hauses.

[variante: »aufgeräumt«]

[variante: »umgeräumt«]

integrierte lösungen gerade im bereich der energieeffizienz: wir wollen keine addierten technischen apparaturen, sondern eine intelligente lösung, die auf die vorhandene problemstellung reagiert: der problematik der wärmebrücken begegnen wir im entwurflichen ansatz, mit einer einhüllung des gesamten hauses, nicht durch bautechnische einzelmassnahmen wie betonschneiden und isokörbe. der dämmenden hülle wird dann auch noch gleich die aufgabe des einsammelns solar-thermischer energie zu teil.

zugang & fahrradparkieren

die thermischen problemzonen der professorenhäuser, die auskragenden betonbauteile des zugangsbereiches werden in ihrer schwierigen bekleidbarkeit mit wärmedämmung nicht eng eingepackt sondern grosszügig eingehaust. der nun trockene vorraum mit zwischenklima gibt raum zum fahrradlagern & -reparieren, zum blumenüberwintern, zum basteln, zum wertstoffsammeln, zum holzspalten und -lagern.

hinauf & hinab
die richtungsneutralität wird zugunsten einer wertenden differenziert dimensionierten vertikalen erschliessung aufgegeben: eine breite massive treppe welche ein paar stufen die isar-hangkante hinab zum eher öffentlichen wohnen führt und eine sportlich-schlanke holzstiege zu den privatzimmern.

wohnen & garten
unter beibehaltung der architektursprache des bestandes bleibt die eg-fassade eingezogen, die og-ansicht in bandform obwohl die einstmaligen kühlrippen balkon und die sich freilaufenden schotten nunmher mit einer belüftbaren, transluzenten haut thermisch bekleidet sind. die bekleidung respektiert das bestehende gebäude, läßt es durchscheinen, signalisiert aber auch eine neue zeit und macht sich auch und nebenbei um solare energieeinträge verdient. das wohnzimmer ist nunmehr raumhoch verglast, öffnet sich maximal zum garten, der sonne entgegen. das obergeschoss erweitert sich um den balkon.

umbau für studentische wohnnutzung (alternative planung):

[variante: »studentisches wohnen«]

die privatzimmer der studentinnen und studenten sind mit »magazinwänden« voneinander separiert. anstelle von leichten trennwänden zzgl. mobiliar vereinigen diese anforderungsprofilgerecht lagermöbel, installationswand, akkustische & optische trennung. die voll aufgeglaste & öffenbare südfassade ist mit justierbarem aussenliegendem sonnenschutz vor übermässigem solaren energieeintrag protegierbar. die »innere fassade« zwischen privaten zimmern und gemeinschaftsflächen ist in transluzentem werkstoff ausgeführt. dies ist nicht nur der belichtung und durchleuchtung der gemeinschaftsflächen zuträglich sondern erleichtert und initiiert viel mehr mit ihrer kommunikationsfläche den kurzen aber umso knackigeren lebensabschnitt in einer offenen wohngemeischaft.

die gemeinschaftliche wohnküche bespielt den wohl stärksten raum der professorenhäuser: das vormalige atelier. das wunderbare potential diesen ein-einhalb-geschossigen raumes, die zonierung von grosser offenheit bis zu starkem rückzug bleibt erleb- und bespielbar, wird sogar noch mit dem öffnen des fensters zu einer fenstertür einerseits und privatisierenden einbauten andererseits radikalisiert. ein prolongierbarer »tisch-on-demand« gibt lonern, frühstückspaaren, haussitzungen und gelagen ihren jeweils angemessenen/erforderlichen platz.

flächen und raum-inhalte [je haus] nach DIN 277
[nach umbau (incl. windfang und wärmedämmung, +25 cm)]

WE    1
WF wohnfläche    140 m2
BF bebaute fläche    145 m2
BGF bruttogrundfläche    290 m2
BRI bruttorauminhalt    860 m3

mit
brigitte götschl [kostenplanung]