Tag Archives: nürnberg

19Dec/01

035 aufsessplatz nürnberg

Kiefern und Sand und Stein. Ein Stück heimische Natur in die Stadt holen: Kiefern, Sandbuck, Butzemoggerle, Sandstein. Ein Ausschnitt Steckerleswald, natürlich-künstlich, als Gegenbild zum hochdichten Stadtviertel lässt einen hochprägnenten einmaligen Platz in der Südstadt entstehen.

Im Nürnberger Raum ist die Kiefer heimisch. Vom westlichen Schottland bis zum östlichen China ist die Kiefer heimisch, von der Ostsee bis zum Bosporus. Nicht jedoch in Nürnberg. Vielleicht gelingt es ihr, Kulturen unter ihrem lichten Schirm zu vereinen.

Der Aufsessplatz wird wieder zu einem in seinen Raumkanten erlebbaren Platz. Durchgängig undbarrierefrei. Ziel ist es, einen klar strukturierten Öffentlichen Raum zu schaffen, der Platz für die Aktivitäten der Südstädter bietet. Warme Sand- und Sandstein-Farben beige, gelb-braun bis rötlich bestimmen seine Grundfläche, wie es früher die Fassaden der ihn umstehenden Häuser getan haben. Die variierende Materialität seiner Beläge lässt ein fein nuanciertes Farbenspiel entstehen: Die zentrale Platzfläche besteht aus wassergebundener Decke. In diese grosse Fläche eingelegt sind die Felder des Spielplatzes und des Marktes. Der Markt, mit grossformatigen Sandsteintafeln belegt, bietet eine vielfältigst bespielbare, keineswegs monofunktional dotierte Fläche. Die Bühne ist eine mobile Konstruktion. Die linearen Bewegungsstreifen, die früheren Strassen, sind als mit Sand abgestreuter Mastixrahmen ausgeführt. Der Boden unter der U-Bahnüberdachung ist mit beigem Betonstein befestigt.

Kiefern geben dem Aufseßplatz in Zukunft sein unverwechselbares Gepräge. geben ihm ein hohes, leichtes Dach auf schlanken Stämmen. Die bestehenden Bäume werden, bis auf die nur befristet erhaltungsfähigen Bäume integriert, die vorhandenen Baulichkeiten werden, nunmehr von einem gemeinsamem Kiefern- Schirm überstanden, miteinander versöhnt.

Der Spielplatz mit seinem Affenfelsen ist mehr Sandgrube als Großstadtspielplatz oder eben gerade Großstadtspielplatz. Krabbelfelsen und Kletterbuck. Matschloch und Rasenteppich. Auf jeden Fall unbedingt zu erobern.

Der Platzraum ist von innen heraus erleuchtet, die Differenzierung der Leuchten erweitert das Nutzungsspektrum mehr als das es die verschiedenen Bereiche eindeutig determiniert: auf der inneren Platzfläche stehen in weitem Raster 3 m hohe Stableuchten, die Überdachung des U-Bahnaufgangs wird durch eine Lichtdecke zum Leuchtkörper, über der Marktfläche, Marktbühne hängt ein Sternenhimmel auf abgespannten Pendelleuchten, Markt- oder Sportplatz?, die Skulpturen Brunnen und Wetterhäuschen sind nachts angeleuchtet.

Die Wände des bestehenden U-Bahneinhausung werden entfernt. Die unübersichtliche Toilettenanlage wird durch rollstuhlgerechte Einzeltoiletten ersetzt. Telefon, Kiosk, Fahrkartenautomaten stehen frei unter dem unbedingt zu erhaltendem Dach. Das Dach des Pavillons erhält eine neue Deckung, hell, sandfarben, die die Assoziation eines Zeltes auch in der Farbe bestätigt. Die Fassade des Kaufhauses Horten ist Orientierungspunkt, Stadtmarke, Zeichen ihrer Zeit und unbedingt zu erhalten. Die Aktivierung der grossen Dachfläche als Terrassenrestaurant mit Grünflächen könnte ein weiterer Anziehungspunkt im Rahmen der Neugestaltung des Aufseßplatzes  werden.

Platzränder: Stadtteilladen, Kindertagesstätte und Café /Restaurant  sind anzustrebende Ladennutzungen am Platz. Der Aufseßplatz mit seiner starken Frequentierung könnte das Zentrum der Aktivitäten zur „Sozialen Stadt“ werden.

mit lex-kerfers landschaftsarchitektur, bockhorn, modell: frieder grüne modellbau, wolfratshausen, modellphoto: monika ribbe photodesign, münchen, mitarbeit: sigrid gottwald, münchen

18May/01

029 erptg nürnberg

Die Intensivierung und Strukturierung einer möglichst umfangreichen demokratisch-heterogenen Nutzungsmischung, das Anfüllen und mehrschichtige Überlagern von Funktion und Bedeutung, von Historie und Gegenwart, von Gestaltungsformen und Dimensionen, ermöglicht dem Reichsparteitagsgelände seiner historischen und gesellschaftlichen Verantwortung gerecht werden zu können, fordert zu einer Auseinandersetzung mit dem Ort auf, ermutigt die Geschichte des Ortes, aber hierin gerade auch die Eigene sich anzueignen.

Mehrschichtige Nutzungen und Nutzungstiefen, kein frontaler Geschichtsunterricht, sondern Historie en passant, zum selberentdecken, und doch ablesbar gelassen, ablesbarer gemacht, aber inspirierend statt dozierend.

Zur Stadt einladend sich öffnend den Fussball neben der Messe, mit der Messe, gemeinsame Parkierflächen sich teilend, ein gemeinsames Umfeld belebend, sich weniger störend als synergetisch fördernd. Ein erst zu erfahrender, zu belegender Bürgerpark, nicht streng funktional dotierte Flächen, eigentlich ein Glücksfall.

Geschichtsstationen An den vorgesehenen Punkten des Geländeinformationssystems enstehen Räume, oberirdisch oder in der Erde, die Geschichte sinnlich vermitteln. Die Geräuschkulisse, das Klatschen der Massenversammlungen könnte hörbar sein. Ein Einschnitt in den Schuttberg lässt einen Erdraum entstehen.

Platz der Opfer des Nationalsozialismus | Meistersingerhalle Der stark vom Verkehr und von räumlicher Zusammenhangslosigkeit gekennzeichnete Platz erhält durch die Öffnung des Fischbaches, und die dichten Baumreihen ein eindeutig landschaftliches Gepräge. Er ist, von der Stadt aus gesehen, der Auftakt zu den Freibereichen des Luitpoldhains und des Reichsparteitagsgeländes.

Zeppelinfeld Die Freifläche innerhalb der Tribünen wird zu einer Wiese. Nutzungsneutralität ist hier das Thema des Ortes. Die Nationalsozialisten haben den Ort funktionalisiert. Jedes Gebäude, jede Fläche war zweckdefiniert. Das Angebot einer grossen Wiese für den Jedermannsport soll Projektionsfläche unserer pluralen Gesellschaft sein. Die Strasse zwischen der grossen Tribüne und der Wiese ist frei nutzbar (skaten…) und wird nur bei Grossveranstaltungen mit als Parkfläche genutzt. Das LKW-Parken wird hinter die Tribüne verlegt. Veranstaltungen wie Rock im Park, Norisrennen usw. sind zu begrüssen.

Grosse Strasse Die Grosse Strasse wird in Ihrem Anfang und Ende ausformuliert. Die Sitzstufen und die dazwischenwachsenden Bäume sind zu schützen. (Geschichtsschutzgebiete)

Grundstein Der Grundstein des Deutschen Stadions bleibt an seinem ursprünglichen Ort und wird bei der Konzeption des Parkhauses berücksichtigt. Seine Zugänglichkeit muss gewährleistet sein.

Sportflächen Die Sportnutzung wird intensiviert. Neue Sportfelder zum Aufwärmen, für den Schulsport und verschiedene Sportarten entstehen. Die Wegebeziehungen zum Biergarten und die Anbindung zur S-Bahnstation Frankenstdion werden verbessert.

Biergarten Der Biergarten am neuen Messeturm ist ein neuer lebendiger Treffpunkt in der Mitte des Geländes. Die Lage am Wasser und in Messenähe  macht ihn besonders attraktiv .

Messe /Messeturm Die Messe erhält als weithin sichtbares Zeichen einen Messeturm. Der Turm, mit Aussichtsplatform und eine kleiner Restauration, ist vom Reichsparteitagsgelände für alle Besucher zugänglich. Die Messe wird auf eine Nachverdichtung, bzw. eine Ausweitung in die Verkehrsflächen nach Süden hin untersucht. Eine weitere Ausdehnung des Messegeländes auf das Reichsparteitagsgelände ist nicht möglich.

Erschließung und Parken Die Anzahl der Parkplätze wird in vollem Umfang erhalten. Zusätzlich  ensteht eine Parkharfe mit Parkdecks an der Beuthener Strasse. Ein Mehrangebot von Parkflächen könnte durch die Entwicklung von Parkhäusern in der Verkehrslandschaft südlich der Messe entwickelt werden.

Kongresshalle Die Kongresshalle soll eine kleinteilige, vielfältige Nutzung erfahren, kritisch, kreativ, demokratisch. Wir sehen in der Nutzungsheterogenität die Möglichkeit einer demokratischen Aneignung des Gebäudes, damit einhergehend des gesamten Geländes. Der Kongresshallentorso wird in seiner Monstösität mitnichten reduziert, sondern vielmehr durch das Relativieren an der Bezugsgrösse Mensch in seiner Maßstabslosigkeit erst begreifbar gemacht, der Auseinandersetzung übergeben.

Die vorhandenen Anschüttungen am Gebäude weden entfernt. Die baulichen Eingriffe berücksichtigen die Struktur des Gebäudes, die Treppenhäuser werden, mit Glas verschlossen, zu unbetretbaren horreurs vacuii. Der Innenhof bleibt nutzungsneutral als freie Fläche. Konservierung und reversible Veränderung sind der Leitfaden im Umgang mit der historischen Substanz.

Die Stadt übernimmt die Vermietung der Flächen. Die vermieteten Einheiten haben eine Grösse von 50  – 1000 qm und Raumhöhen von 3 m – 11 m. Über ein Bewerbungverfahren werden die geförderten Mietflächen anhand eines noch zu bestimmenden Kriterienkataloges vergeben. Ein größtmögliche Nutzungsmischung ist angestrebt. Politische, soziale, gesellschaftliche, energetische Organisationen, Schreinereien, Schlossereien, Druckereien, Planungs,- Grafikbüros, Startups, Existenzgründer, Wissenschafts,-Technologiezentrum, Ateliers, Galerien, Kulturelle Organisationen, Bars, Lounges, Gastronomie, Schulungen, VHS et al.

städtebaulicher ideenwettbewerb, engere wahl
[mit lex-kerfers landschaftsarchitektur, bockhorn]