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11Jun/02

038 bürgerhaus regensburg

a_die bank ist eine bank.
ihre mitnichten unerfreulich proportionierte massigkeit ist strassenraumprägend.
ihre bausubstanz muss weitestmöglich erhalten bleiben.

b_die öffnung zum minoritenweg hin würde dem bürgerbüro keinen städtebaulich legitimierbaren, nicht mal einen hlabwegs angemessenen vorbereich gewähren. das bürgerbüro öffnet sich ins quartier hinein, hindurch.

c_das bürgerbüro ist öffentlicher durchgang, ein öffentliches stück regensburg. offen, durchlässig.
der anbau öffnet dann auch den bestand, öffnet damit auch einen teil stadt, ihren bürgerinnen und bürgern.

d_die front der frontoffices ist konkav. die bürgerin, der bürger ist umzingelt von der front. blichkontakt, für die nervösen, nicht auf ihre wartenummer vertrauenden, zu jeder dame, jedem herrn hinterm schalter. alternativ aber auch in mehrstufiger nuancierung hierzu wartemöglichkeiten für die ruhigeren, im die front umgebenden volumen.
bei klaviermusik und kindergeschrei, jedem das seine.

e_die knappen volumina von bürofluren, von minimierten entrées zusammenfassen, daraus mehrgeschossige räume werden lassen. maximal zweigeschossig natürich, dem feuer wegen. zwei jeweils doppelgeschossige volumen. von internen und externen treppen verbunden. echter raum.

f_die intervention assistiert dem bestand. ver- und entsorgung, jedwelche infrastruktur, erschliessung, flucht.

g_das dach ist flach und begrünt. regenwasserretentiv, hochwasserfeindlich also. als ob das nicht von interesse sei, an der donau. ein zweigeschossiger stahlbetontisch, darauf eine weitgehend vorgefertigte hölzerne glasschatulle.
zwischen den büros regale als trennwände, nach aussen wie zur galerie hin teils raumhoch aufgeglast, teils mit holzbekleideter vakuumdämmung.

19Dec/97

005 geschäfts-und bürogebäude am peterstor

Optimierungverfahren für die Errichtung eines Geschäfts- und Bürogebäudes mit Einbeziehung des ehemaligen Stadttorturms »Am Peterstor 3« Regensburg

Rahmenbedingungen eigeladenes Verfahren (Auer + Weber; Baumschlager Eberle; Behnisch & Partner; Kiessler + Partner; Peter Kulka)

das Grundstück ist Teil des ehemaligen Stadtgrabens, mit römischen Fundamenten der porta decumana,
ein, auf den römischen Fundamenten errichtetes Turmhaus (Biedermeier) ist als Baudenkmal eingetragen.

der Auslober und Grundstückseigner, Martin Scheuerer, Architekt, möchte auf dem Grundstück das Geschäfts- und Bürohaus für seine Bauplanungsgesellschaft »Tecton« errichten. Der Graben soll der Öffentlichkeit zugänglich sein und eine kulturelle Nutzung erfahren.

in der Auslobung werden 2 Möglichkeiten zur Disposition gestellt:

  1. Erhaltung + Sanierung des Biedermeierturmes (der auf dem römischen Fundament steht), Neubau im Graben (Nachteil: ein Teil des Grabens muss bebaut werden)
  2. Abriss des Biedermeierturmes und errichtung eines neuen Turmhauses über den römischen Fundamenten (Vorteil: Freihaltung des Grabens)

der Auslober weisst darauf hin, daß die Präferenz des Ausschusses für Stadtplanungeindeutig bei der »Turmlösung« liegt; ein Schreiben des Bayer. Landesamt für Denkmalpflege stellt keine grundsätlichen Zweifel an.

Entwurf Die Projektpartnerschaft Kiessler, Günther, Rieger entscheidet sich für den Erhalt des Biedermeierturmes und Errichtung eines 28 m hohen Turmes.

Das »kleine Hochhaus« besteht aus einem Schaft, der den Fußabdruck des Gebäudes im Graben minimiert und einem auskragenden Körper, der über 7 Geschosse Büro- und Geschäftsräume verteilt. Im renovierten Biedermeierturm befinden sich Läden, der Stadtgraben ist als Skulpturengarten öffentlich zugänglich.

Der monolithisch Schaft, der Aufzug, Treppe und Sanitärräume enthält, trägt einen offenen Glaskörper. Der Glaskörper ist über Betonhängesäulen vom tragenden Schaft abgehängt. Die raumhohe Verglasung der Büros, mit ensprechenden natürlichen Lüftungsmöglichkeiten transprotiert eine zeitgenössische Architektursprache, die sich deutlich von der Lochfassade des Biedermeierturmes absetzt. Nachts erleuchtet der Glasturm, einem Lampion gleich, die angrenzende Parkanlage, durch die man den Bahnhof erreicht. Die Dimension des neuen Hauses bezieht sich eher auf die ehemaligen Maße des Peterstores, denn auf die Dimension des Bestandes und setzt sich auch dadurch deutlich als neuer Orientierungspunkt im Stadtgefüge der Altstadt vom bestand ab. Eine Markierung, dieses historisch bedeutsamen städtebaulichen Ensembles, des ehemaligen Südtor des römischen Kastells »Castra Regina« (Porta decumana) wird mit zeitgenössischer Architektur erreicht.

Nachlese 14 Jahre nach der Auslobung des Gutachtens ist das Grundstück noch immer unbebaut. Die Baugenehmigung für den Büroturm verfiel 2001. Im Januar 2009 wurde das Grundstück am Peterstor versteigert: »Für 460.000 Euro ging das 627 qm große Grundstück an die Kreta Immobilien GmbH aus Hof. Der »Verkehrswert« des mit rund zwei Millionen Euro Schulden belasteten Grundstücks, das sich bislang in Besitz des Architekten M. Scheuerer befunden hatte, lag bei 296.886 Euro.« [quelle] Am 13. Juli 2006 hat die UNESCO das Ensemble »Altstadt Regensburg mit Stadtamhof» in die Welterbeliste aufgenommen. [quelle]

the commercial and residential building volumes project from a narrow communications and supply tower whose foundation is in an extension of the town moat, next to an existing biedermeier tower, wich leaves the moat free to be used as a sculpture garden. [from: kiessler + partner architekten, 2007, birkhäuser,basel, isbn 978-3764376277]

projektpartner: kiessler + partner, münchen; heike rieger, münchen
modellphoto: heike schollmeyer, münchen