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18Nov/99

014 marktplatz bayreuth

alt/stadt und um/land
die stadtmauer, einst zuständig für begrenzung und sicherung bayreuths, hat diese aufgaben der ringstrasse abgetreten. waren die tore der stadtmauer nur desnachts oder während kriegerischer auseinandersetzungen unpassierbar, ist der automobile belagerungszustand ein bald ununterbrochener. ein fahrlässig breites vernachlässigt/verwüstetes emissionseintragsgebiet begleitet den ring zu beiden seiten, unterentwickelte oder überinstrumentierte verbindungen suchen uninteressiert-angestrengt das innere mit dem äusseren zu verbinden, sind jedoch meist nicht in der lage, die aufgegebenen ringrandwüsten einander zugehörig erscheinen zu lassen. wo es nur irgend geht müssen diese beiden seiten einander zugeführt werden, funktional stimmig scheinende tunnellierte fussgaengerverbindungen genügen ebensowenig wie rachitische brückenbauwerke. das die alt/stadt und das um/land zusammengehörig sind, das muss erlebbar sein.

der öffentliche raum ist nicht messbar; parkierflächen stehen, so hört man, in ausreichender anzahl zur verfügung. da diese jedoch zumeist in der aussenseitigen ringrandwüste befindlich sind, ist eine attraktivität der fussläufigen erschliessung mangelhaft bis nicht vorhanden, es ist nicht die messbare entfernung kfz-max, sondern allein die qualität des zu durchmessenden stadtraumes welche als defizit zu erleben ist.

flipside bei schallplatten knisterts auf beiden seiten. vorne sind meist die hits, auf der rückseite die zu entdeckenden inconnus, die träume und gärten und parks, in welchen schweben und flanieren man kann, bei wirklich guten platten zumindest. die kanalstrasse scheint niemand je gehört haben zu wollen.

passagen 1 die zentrumsnahe einzelhandelslandschaft bayreuths ist mit installation des rotmaincenters um erhebliche kapazitäten bereichert worden. die anzudenkende installation von, dem handel zugedachten, passagen im bereich markt/kanalstrasse würde zu einer weiteren verkaufskapazitätssteigerung führen. das dies zu einer partiellen verschiebung des kaufpublikums von den bestehenden händlern zu den in den passagen sich anzusiedelnden führt, ist mit marktwirtschaftlichen mitteln nicht zu unterbinden. wie diese kaufkraftausdünnung, welche im übrigen die gesamte innenstadt zu verkraften haben wird, planungsziel
sein kann, verblüfft und besorgt uns.

passagen 2 betrachte man die idealvorstellung der trennung von habitation, fabrikation und konsumption als nicht übermässig glücksbringend, so ist einer verringerung des wohnanteils in city- und innenstadtlagen die verantwortung für die abendliche und nächtliche verödung ebendieser stadtteile zu übertragen. die stärkung einer differenzierten kleinteiligen gemischten einzelhandels- und wohnnutzung, die durchmischung von hochqualitativem und preiswertem konsum- und wohnangebot gewährleistet eine stabile wirtschaftliche entwicklung, sichert eine hohe aufenthaltsqualität, und erhält und schafft den sog. öffentlichen raum.

fuss- »unterster teil der beine der wirbeltiere, beim menschen und bei den affen nur der beiden hinteren (unteren) gliedmassen. der f. des menschen ist durch das sprunggelenk mit dem unterschenkelknochen verbunden…« usw usf. (meyers grosses taschenlexikon, bd.7) es scheint uns biomechanisch nicht begründbar für den einsatz des fusses einen mineralischen belag (z.b. granit) zu fordern oder zu präferieren.
-gänger-
auch gängerin; bewegung mittels der unteren extremitäten; teilfunktion des zu beplanenden areals, darüberhinaus: plaudern, kaufen, treffen, sehen, eis, maroni, rumsitzen..
-zone 1989 anektierte sog. ddr; parallellitäten allenfalls im einschluss vom sog. todesstreifen (hier als kraftfahrzeugsring)

sog. fussgängerzone über die jeweils vorgefundene qualität ihrer baulichen fassung hinaus versuchen sog. fussgängerzonen (fgz) kaum, sich dem vorwurf, vorläufer oder entwicklungsschritt der/zur mall zu sein, zu entziehen, eher wird den malls, beispielsweise hinsichtlich deren geringen wohnflächenanteil, noch nachgeeifert. die strassenraum- bzw fgzraumqualität ist, eine geringe verweildauer zwischen den verkaufsstellen gewünscht,
minimiert, aufenthaltsflächen werden, so nicht zu nahrungsverkauf genutzt, tunlichst vermieden.

fussgängerzone

der markt, eine dem fussgänger, seiner bewegung wie seinem aufenthalt, gewidmete fläche, ist, entgegen der wertschätzung dieser fortbewegungsart, als filetstück des öffentlichen raumes bayreuths, als wohnzimmer, gute stube zu würdigen, nochmal: der markt, die maximilianstrasse hat mehr zu sein als die verkehrsfläche zwischen den ansässigen händlern. wohnzimmer. so richtig zum sitzen. wir sind dazu übergegangen, die historisch durchaus fragwürdige pflasterung als, mitnichten negativ konnotiert, granitwüste, unsere buntspur als wahre fussgängerzone zu bezeichnen. es ist die erste der bundesrepublik.

verknüpfung z.b. am mühltürlein-hindenburgstrasse
das die hindenburgstrasse eigentlich der auftakt ist, um durch eine leergefegte schlucht, am mühltürlein, zur maximilianstrasse, zum herzen bayreuths zu gelangen bleibt unvermittelt. unter stadtauswärtser betrachtung erscheint es wenig wahrscheinlich, das jenseits des rings weiter geht, mit stadt. baumreihen taugen doch schon immer als wegweiser.

verknüpfung z.b. sport platz
desillusioniert geben eingeschossige 50er-jahre-hütten die rückendeckung für das ehem. reichshofkino, die kaufhäusliche ver- & entsorgung ist hauptdarsteller, die komparserie dementsprechend. deckel drauf, auf den ladehof! richtige aufgänge dort hinauf, nicht nur ein 2x2m loch in der fassade, und auch wenn mj nun ja nicht mehr spielt, basketball dadrauf, und ein cafe, von wo die stadtmauer beim zugewachsen werden beobachtet werden kann. drunter ist dann sogar noch platz für fitness.

bauliche lösung im bereich zentrale omnibus haltestelle eine erweiterung des gastronomischen angebots in form eines »hauses im markt« kann weder aus städtebaulichen, noch aus wettbewerbssicht befürwortet werden:
a) ein hochbau und sei er auch noch so gläsern, zerteilt den markt in einen oberen und unteren, seine funktion, der verkauf und verzehr von nahrungs- und genussmitteln, kann diesen angriff auf einen der wichtigsten plätze bayreuths keineswegs legitimieren. b) eine erweiterung der verkaufs- und gastronomieflächen, vor allem in form des eroberns und umnutzens öffentlichen- oder wohnraumes (passagen, neubauten…), ist im sinne einer nachhaltigen (innen-) stadtentwicklungspolitik unbedingt abzulehnen.

belag der vorhandene belag im bereich maximilianstrasse ist referenzbelag für die umgestaltung des unteren markt es.

oasis das durchsetzen der konsumbestimmten innenstadtbereiche mit nichtkommerziellen ruhe- und verweilräumen, das verweben eben dieser, über die city hinaus, schafft eine attraktive durchwegung.

antagonisten die dem konsum zugedachten einrichtungen erfahren im bereich des alten schlosses ein diskontinuum. die einen durch diese durststrecke hinweg begleitende, der kontemplation und recreation verschriebene buntspur ergänzt die verkehrsfläche zwischen den verkaufsstellen.

pflege deine freundin zu einer guten freundin geht man gern. sich ausquatschen, kaffee trinken, bei ihr gibts den allerbesten. ein gemeinsames sonnenbad, ein buch… immer wieder interessant, man sieht sich gerne, sie hat soviel, was man an ihr mag. geht man zu einer nutte, sind die beweggründe meist weniger differenziert.

beleuchtung
eine flächig gleichmässige leuchtdichtenverteilung führt unweigerlich zu einer reizminimierung, wie sie allenfalls für sehaufgaben [kfz-verkehr…] als sinnvoll erachtet werden kann. das spiel unterschiedlichster leuchtdichten, vom sonnenlichtlicht zum schatten, ist, mit technisch und energetisch bedingten einschränkungen, auch der beleuchtung der maximilianstrasse mit kunstlicht zugrunde zu legen: bereiche von hohen leuchtdichten wechseln sich mit dunkleren zonen, reflektierende mit lumineszierenden flächen ab, machen helligkeit, licht erlebbar, markieren, inszenieren und gliedern die maximilianstrasse:
-angeleuchtete objekte und raumkanten [schloss, kirche, rathaus…] -unterleuchtete bäume -schaufenster als leuchtkörper -durchgänge/passagen als leuchtkörper

nächste haltestelle sternplatz die wartebereiche der öpnv-busse beider richtungen sind aufgrund des erheblich günstigeren platzangebotes wie der früheren sichtbarkeit der fahrzeuge nördlich des platzes anzusiedeln. sie sind in ihrem habitus der mobilität des sie andienenden geräts, als leichte, transportable konstruktion verpflichtet. die planungen für den sechseck-zoh sind weder aus städtebaulicher als aus architektonischer sicht zu tolerieren.