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18Mar/96

001 stadthalle/townhall lauf

WARUM IST DAS GEBÄUDE EINGEGRABEN?
Ein Ort mit landschaftlicher Prägung soll entstehen. Die zur Pegnitz hin abfallende Topographie wird mit dieser künstlichen Hangkante markiert. Der Blick zumMoritzberg schlägt eine ideelle Brücke in die Landschaft. Die Künstlichkeit der Dachlandschaft als Ausdruck heutiger Distanz zur Natur. Die ungewünschte Illumination der Stadthalle ermoeglicht es in diesem »Eingraben« einen lichtscheuen Raum mit einer lichtgeflutete Liege- & Spielwiese zu ueberlagern. Das Foyer, als Mittler zwischen Innen und Aussen bedient sich grosszügig seiner Südfassade.

WARUM STEHT DIE BIBLIOTHEK AUF DER WIESE?
Die Bibliothek ist Fernrohr, mitttels dem man in die Weite der mittelfränkischen Mittelgebirgslandschaft schauen kann.
Der Panoramnablick übersteigeigert den ansonsten immer weiter ins Abseits gedrängten Ort der Bücher; hier werden sie in üppiges Licht getaucht, ihrer Bedeutung als Medium des Lernens, als Quelle des Wissens zu entsprechen wird versucht.

WO PARKIEREN DIE AUTOMOBILE?
Die extrem hohen Erstellungskosten fürTiefgaragenplätze (40.000 DM / Platz) als auch die ökologischen Folgen einer Politik der unmittelbaren automobilen Erreichbarkeit eines jeden Ortes lassen uns im ausgehenden 20.Jahrhundert von diesemVerkehrskonzept Abstand nehmen. Die zwei Parkdecks entlang der Bahnlinie können desweiteren als Park & Ride Anlage genutzt werden. Nur noch ein Parkregal mit zehn Paletten ist für Bedürftige unmittelbarer Erreichbarkeit durch PKW im Gebäude installiert. 3 MINUTEN ZU FUß SPAREN 10 MILLIONEN.

WARUM VERBRAUCHT DAS GEBÄUDE KAUM ENERGIE?
Das Einhüllen des Baukörpers in Erdmassen erlaubt in Verbindung mit der voll aufgeglasten Südfassade des Foyers sowohl einen minimalen Heizwaermebedarf im Winter (geringer Transmissionswaermeverlust aufgrund relativ höherer Umgebungs=Erdreichtemperatur & solarer Energieeintrag) wie auch stark reduzierter Kuehllast im Sommer (Traegheit der Massen, Vollverschattung der Glasfassade). Die HL Technik operiert mit adiabatisch/sorptiver Luftmassenkonditionierung, zur Kühlung der Zuluft im Sommerfall kann darueberhinaus der Sonnenenergieeintrag in der Twin Face Fassade des Foyers herangezogen werden. Bei der Erstellung des Baus kommt es durch eine fehlende grossräumige Erdmassenbewegung zu weiteren Einsparungen, da das Gebäude im Anschluss an die Rohbauarbeiten wieder mit dem entstandenen Aushub umfüllt wird.

PASST DER ENTWURF INS STADTBILD VON LAUF?
Zur Kleinteiligkeit des intakten Stadtkerns wird ein zeitgemäßer Kontrast geschaffen.
EIN GESCHENK FÜR LAUF
EIN WOHNZIMMER FÜR LAUF
EINE AUSSICHTSTERASSE FÜR LAUF

LICHT Die Gebäudehülle schützt dort vor Licht, wo dies erwünscht nicht ist. Sie lässt Licht dort ein wo es in kontrollierter und konditionierter Weise brauchbar, erwünscht, oder gar erforderlich ist. LUFT Das Gebäude ist als Veranstaltungsort nicht ohne Luftkonditionierende Anlage zu realisieren. Der Saal ist mit Fussbodenquellbelüftung auszurüsten, die Absaugung der Fortluft erfolgt in Deckenniveau. Dem Foyer ermöglicht die Twin Face Fassade einen natuerlichen Luftwechsel. WÄRME In dem Eingraben des Gebäudes wird die eigentliche Fassadenfläche aus eine südorientierte Glasfassade reduziert, es entstehen (die Bibliothek ausser acht lassend) keine Nord / Ost / West orientierten Glas- / Fassadenflaechen, Waermeenergieverlustflächen.
Der Wärmeeintrag in das Foyer ist mit verstellbaren Lamellen zu kontrollieren. Die Bibliothek ist mit Schiebeelementen vor Blendung zu bewahren, flache Lichtschlitze an Ost- und Westfassade belichten die Leseplätze. KONSTRUKTION Stahlbetonmassivbau, die Foyerfassade ist innenseitig isolierverglast (TVG / ESG), die äussere Hülle bildet ein Einfachglas (ESG); Stahlkonstruktion, Holzlamelle. Die Bibliothek ist mit Brettschichtholzelementen bekleidet. Die Glasfassaden sind ebenfalls als Twin Face ausgebildet.

[mit jorgos rebouskos, architekt, münchen]