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15Jan/17

053 baywahalle wiederbesucht @ BR

zehn jahre später, kam der bayerische rundfunk nochmal nach niederarnbach, gucken ob und wie sich unser »traumhaus« in der zeit so entwickelt hat.

nabrevisited

den film von carina bauer strahlt das bayerische fernsehen am sonntag dem 19. februar 2017 um 15:15 uhr aus.
oder hernach in der mediathek

wir sind gespannt!

01Jan/05

17 absätze über architektur

01 maisons de verre/vert

ja, glas kann auch durchsichtig sein. kann aber auch durchlichtig sein, fast opak, spiegelnd, die umgebung verzerrt reflektieren, licht fangen, nach frequenzbereichen selektiv filtern. glas kann sich selber saubermachen, kann strom machen, kann hell und dunkel werden. glas kann merken wann es hell, wann es warm ist. aber in echt ist glas nur eine sehrsehr zähe flüssigkeit, sagen die im glaswerk. eine total tolle, mal wie rohöl, mal wie blut, mal wie milch, mal wie quellwasser. das gewächshaus von der stange wird zum wochenendhaus [prj.006]. schlappe 5 mm esg, die hintere hälfte genörpelt, das licht streuend, die vordere als floatglas. den sonnenschutz übernimmt ein apfelbaum, der die sonne ins haus lässt, wenn erwünscht sie ist, der sie aufsaugt und tolle früchte aus ihr photosynthiert. auf einer holzgitterschale als unterkonstruktion ein weiteres gebilde was als glashaus betrachtet werden kann, das haus zur wildnis [prj.016]. wilder jedoch, lichtundurchlässiger: rundumhüllt mit kissen aus glas welches dann erst noch  zu entwickeln wäre: altglas, grünes, braunes, buntes, aufgeschäumt, mit lichttransmissionswerten von vielleicht 10 bis 50 prozent, das es sich beim durchschlüpfen so anfühlt, wie vom auslober gewünscht, als erdgang im maßstab 20:1, mal dumpfes grünlich-braunes licht, dann wieder heller werdend. die äussere oberfläche müsste dann geschlossenporig sein, könnte dann, da es schön schattig mitten im wald steht, auch gerne ein bisschen moosig, algig, glitschig werden, auf garkeinen fall selbstreinigend. wild halt.  noch eine variante, die erweiterung einer strammen, satteldachigen sichtmauerwerkigen hauptschule aus den 30-ern in münster [prj.022]. das profil nehmen wir auf. aber nicht mehr in backstein sondern in (backsteinfarbig) seriegraphierten gläsern, offenere raster dort wo erforderlich, wo möglich, ins geschlossene verlaufend, wo tageslichteintrag unerwünscht wäre, mit bedrukkungsfreien ausschnitten wo die haut das klassische fenster, den sichtbezug innenaussen, spielt. und das obergeschoss öffnet sich mit sl-flügeltüren.

02 raum
zumeist sind schachterl gemeint, zimmer. zu denen führen flure, gänge, längliche räume. es hat regeln, wie breit die zu sein haben, das aneinander man vorbeikommt, ohne sich im schlimmstenfall berühren zu müssen. raum geht auch mit schachterln: eine grundschule [prj.008] im münchener norden. zwei mal vier klötze. im erdgeschoss sondernutzungen, werken, lehrerzimmer etc. und drüber je klotz, je geschoss, zwei klassenzimmer. die zwei klotzreihen mit innenliegenden balkonen verbunden, mit blick, mit räumlichem bezug zur dazwischenliegenden pausen-, zur dazwischenliegenden sporthalle, von wo du, wenn du pech hast, voll einen ball draufgezogen bekommst. um auch den raum, nicht nur die flächen durchmessen zu können, wissend zudem wo du gerade bist, hat es eine breite sitztreppe zwischen sport und pause.

03 the world is flat
es war seinerzeit wohl nicht ganz einfach den bewohnerinnen und bewohner unseres planeten die idee nahezubringen, das die erde mitnichten eine scheibe sondern vielmehr ein dreidimensionaler körper, genähert eine kugel ist. obgleich oder weil dies mittlerweile doch zum allgemeinwissen gehört, gewinnt die platte scheibe (geschossdecke…) mit weitem abstand vor dem körper, gewinnen ebene ebenen souverän vor (einachsig, zweiachsig…dreiachsig) gekrümmten flächen. als ob uns die idee mit dem körperhaften planeten noch immer missfällt, der scheibengeschichte immer noch verfallen sind. mit der gravität spielende geneigte, mit der zentrifugalkraft spielende gewundene flächen, sich verjüngende ram-pen, herumsausende helixen… im opernhausparking [prj.017] in zürich/ch windet sich eine asphalterne helix hinab, hinab in eine sonnenlichtlose unterirdische box, eine box deren in licht brennenden umschließungsflächen eine ouverture schon später haben wir mal versucht, zwei gespindelte rampen umschlingen sich zu lassen, im august-horch-museum [prj.033] in zwickau, verweisend auf geschwindigkeit und raum und zeit, auf die kleinen und die großen automobile dieses herstellers welche zu unterschiedlichen politischen systemen staffage sein durften.

04 additive
sowohl das august-horch-museum als auch das opernhausparking sind helfende annexe, ergänzungen für einen bestand mit veränderten oder mutierten nutzungen. die sich dann, in lustvoller erfüllung der ihnen zugedachten aufgaben ergehen, eine vernünftige aufgabe also haben, aber dann noch zeit über ihren zweck ebenso auskunft zu geben, wie über ihren master. nein, bloß nicht krücken.

05 lesbarkeit
wie sieht eine schule aus? wie ein wohngebäude? wie ein museum, ein klinikum? warum schauen die so aus? kann ich lesen, was der zweck eines gebäudes ist, wann es entstand, wo? müsst ich das lesen können und ist das dann irgendwie richtig oder nur so bemüht, von vornherein? oder könnte so ein bauwerk mal nicht nur scheinbar evidente und lesbare standarts repetieren sondern lustvollfröhlich mit den gewünschten räumen, den gewünschten nutzungen, den erwartungshaltungen spielen? das interessiert uns dann, die bedingungen aufzusaugen und zu hinterfragen. mit ihnen

06 ateliers trouvés
gefundene, brachgefallene orte neu zu formatieren, zu transformieren, für die stadt zurückzugewinnen, ist unser Ziel, diese »unräume« zu beleben und in ateliers [prj.051] zu verwandeln. wir legen einen erweiterten atelierbegriff zu grunde, der allen menschen räume eröffnet, räume um tätig zu werden. ateliers zum fahrradreparieren, kochen, singen, zusammentreffen. ateliers zum (re)generieren statt zum konsumieren, ateliers die in verlorenen orten eigene potenziale uns finden lassen. unscheinbare orte, unräume werden durch unsere transformationen zu öffentlichen orten im städtischen geflecht. diese verdichtung der öffentlichen anteile perforiert die unzugänglichkeit von stadt. eine auflösung der stadt (wie sie bisher existiert) ist in unserem sinne.

07 wir über uns
architekturusw martina günther und jan schabert; 1999 bis 2005 vielleicht achtzig projekte sind in dieser zeit entstanden wettbewerbe und realisierungen, vorträge und ausstellungen, möbel, kunst, grafik, usw. schön wirds dort, wo das und so weiter beginnt. wo kunst sich mit visueller kommunikation vergnügt, wo der bedrohte lebensraum der menschlichen sorte zu lustvoll bespielbarem thema sich zu entwickeln getraut. wo forensik sich mit serieller fertigung, das millionstel mit dem 1:1 paart. wo mal künstlerinnen, mal bauingenieure, mal grafikerinnen, mal energetiker, mal handwerker, mal pfarrerinnen zum wundervollen ping-pong uns gegenüberstehen, wo gemeinsam weiter gedacht und gemacht werden kann.

08 pro & contra
gegen großstrukturen · für kleinstrukturen | gegen kommerzielle arrchitektur · für ideelle architektur | gegen die perfektion · für die provisorisch | gegen rezepte · für individuelle | für grün, regenwasserfang auch in der stadt | gegen privatisierung · für öffentliche räume | gegen neuland · für nischenfüllung | gegen tot-renovieren · für verfall und verwilderung | gegen konsumieren · für aktivieren | gegen monokultur · für durchmischung | wir wollen nicht, daß sich die stadt so weiterentwickelt wie bisher | wachsen wachsen wachsen häuser häuser häuser – häßliche häuser | städte sind zu groß geworden, zu komplex; großstrukturen sind anfällig (vgl. monokulturen) produzieren viel müll, viel lärm, viel abgase; weite wege (die saurier sind auch ausgestorben)

09 raus in die stadt
beim grundbuchamt [prj.036] geht es wohl darum eigentumsverhältnisse, grunddienstbarkeiten etc. in hochgradig abstrakt abgebildeter aktenform zu lagern und verwalten. der grund wird hier, wie zu einer forensischen grabung, aufgeworfen, die decke ein wenig gehoben, verspreizt in dieser position. schwarzgraue irdene schnittkanten werden sichtbar. und der grund offenbart seine eigenschaften, seine geschichte, die geheimnisse unter seiner oberfläche. geschichten, tausende von seiten geschichten. darüber tiefe mäanderde wege, vom schlosspark in die stadt: eine vielleicht drei meter höhendifferenz überwindende rampe entlässt einen vom dach in die gute stube der winsener kaufleute wo angekommen man über ein dach gelaufen zu sein kaum in erinnerung haben wird. das dach als park im park. dächer. sind ja eigentlich eh schon ein wenig raus aus der stadt. nicht was die fläche angeht, in welcher wir gravitationsgenötigten uns nunmal zumeist bewegen, nicht in x- oder y-richtung, in welcher man nunmal zumeist denkt. raus über die stadt, auf die fünften fassaden. raufraus. in den park, über der seltsam akzeptierten untergrundbahn, über dem seltsam akzeptierten, dem motorisierten individualverkehr übereigneten sog. stadtraum. ateliers trouvés für alle und für alles.

10 schöne füße
unten an unseren beinen haben wir noch so füße dran. vielleicht das man besser stehen kann. vielleicht aber auch das sich die last ein wenig verteilt, keine übermäßigen pressungen in mensch und materie auftreten. da lässt sich dann schon fast alles erklären, was fundamente, was grundbau für studierende der architektur betrifft. das ganze spektrum bespielen, von der flächigen gründung im matsch, beim grundbuchamt bis zum zoomorphen eingespannten stahlgußfuss bei der fußgängerbrücke [prj.018]. eh, dieses lehren von konstruktion, von entwurf mit assoziativen prinzipien, nicht gleich mit den ganzen standartdetailatlanten, ist viel merkfähiger: sowas wie gefahr erkannt – gefahr gebannt. und viel kreativer, innovativer noch dazu.

11 grundrisse
sind wie die ergebnisse des hobbies blumen pressen. oder die des berufs des präparators, oder des pathologen vielleicht. ja gut, du erkennst grob die dimension. aber das wars dann auch bald. zusammengequetscht auf nach möglicheit zwei dimensionen lässt sich die form nur dann imaginieren, wenn sich in der komprimierten dimension nichts mehr in x- oder y-richtung ändert. strangprofile also, nicht wirklich aufregend, zumeist. die abbildungsform eines dreidimensionalen gebildes auf einen grundriss und schnitt, verlangt vom leser bzw gucker einen enormen aufwand an rekonstruktionslust oder forensischer neugier, den raum, das volumen, den körper nachzuempfinden versuchen. zur abbildung eines gebäudes können grundrisse allenfalls herangezogen werden um flächen nachzuweisen, um eine beurteilung der funktion, der wirtschaftlichkeit zu ermöglichen. schaf im wolfspelz spielen, oder halt wolf im schafspelz. manchmal wolf im wolfspelz oder das andere eben. manchmal auch ganz ohne pelz. müssen vereierte grundrisse unter sich bleiben, dann nur und ausschließlich rundeckig und krumm sein, oder macht es nicht eigentlich viel mehr spaß die orthogonale welt dem krummen zu öffnen, kurven mit geraden,

12 maßstab
das haus zur wildnis [prj.016] schaut so aus wies heisst, fühlt sich beim durchschlüpfen so an, wie vom auslober gewünscht, als erdgang im maßstab 20:1. es umschlingt ein paar fichten der dicht bewaldeten anhöhe, drunterdurch kanns du schauen, laufen, dich unterstellen, seine verortung ist lässige momentaufnahme viech im wald, in der bayerischen wildnis. und bigger than life.

13 symbiotische architekturen
sybiose: das nebeneinander von verschiedenen organismen zu gegeseitigem nutzen.

14 objects de plaisir
die figur vor einem grund. kommt bei uns immer wieder vor, innenräumlich, der baukörper, im städtebau auch. aber warum, was soll das, wozu soll das gut sein. an drei beispielen aus unserem oeuvre werde ich erläutern, was figur oder objekt im raum bei uns tun: spremberger straße, cottbus [prj.011], die fußgängerzone der stadt und wie die, landauf, landab bei uns halt so ausschaun: lauter figuren, lauter kleine objekte stehen da rum, manche von diesen dingern machen einen spezifischen eindruck, andere bringen bundesweite wiedererkennung in chosebuzs einkaufskilometer. aber vertragen, harmonieren tun die nicht. unser wettbewerbsbeitrag sieht eine bündelung dieser wildverteilten teile auf ein spezifisches objekt, vor einem spezifischen grund vor. der öffentliche raum ist dann hier nicht mehr (wie sonst eigentlich überall) durchsetzt von diesem ganzen zeug, sondern aufgeräumt ists plötzlich, und den raum kannst du lesen, und diese objekthaften repetitiven ordnungselemente. trash united, in der guten stube. eh, diese zusammenfassung, dieses konzentrieren, sei es in der lesbaren erscheinung der objekte oder in einer überraschenden gestalt welche den zweck teilweise auch ganz absichtlich verhehlt, das klärt. putzkammer, garderobe, 20 laufmeter karteikästen, stauraum, rezeption, trennwand. auch so ein sammelsurium ganz verschiederner dinge, wände, kisten, tische, räume. aber nichts davon siehst du in unserer zahnarztpraxis [prj.040], oder eigentlich siehst dus freilich, aber du weisst nicht, daß das da alles drinsteckt, in den vier kisten die über die praxis verteilt sind, musst du ja auch nicht wissen dient das halt dem betriebsablauf, den du wahrscheilich garnicht so genau stets vor augen haben magst. eh, diese dinger die du nicht gleich zuordnen kannst, die sich der gschwinden kategorisierung entziehen, die du dann selber dir aneignen musst, wenn du sie nutzen willst. objects de plaisir [prj.028] die um ein gymnasium in markt indersdorf herumschleichen. eklig sind die schon, aber zu dritt kannst du drauf sitzen, in der grßen pause. wie, das ist dann deine aufgabe.

15 gemeinschaftswohnen
…und sie lebten glücklich zusammen bis an ihr lebensende… eher unwahrscheinlich! naheliegender, das erst das glücklich flöten geht und dann das zusammen. und dann kommt das lebensende eh schon bald. aber nu vier märchen mit absehbarem sog. happy-end, mit ewig-glücklicher cohabitation, harmonisierenden raumgefügen usf: das märchen vom doppelhaus [prj.021], das eigentlich ja ein halbhaus ist, aber gut. zwei erwachsene geschwister mögen gemeinsam-allein wohnen: statt der trennwand welche solch ein haus bautypgerecht verdoppeln soll gibts hier eine kleine dazwischengeschaltete halle, eine piazza, ein gemeinsames foyer, atelier, akkustischer & klimatischer & sozialer puffer. …hinter den sieben bergen, bei den sieben zwergen ists tausendmal schöner als hier… beschließen n und c und kaufen sich eine baywa-halle aus den 50ern, hart am donaumoos um dort gemeinsam zu leben, zu wohnen und zu arbeiten, zu malen: atelier & wohnen eben [prj.053]. 50 mal 12 meter halle, 600 quadratmeter, sind in 1/3 wohn- und 2/3 atelierräume zu arrangieren: das aneinandersichreiben, das partnerschaftliche ringen und schieben, umarmen, angreifen und verteidigen wird zur eingefrorenen schiebewand, zum privatheit gewährenden mit nebenräumen armierten schutzwall, wird zur dreidimensional ondolierenden membran, zu einem nebenüberunteraneinanander in den 3.000 kubikmeter lebensraum. ein traum von einem märchen dann in meinem sonderdiplom journal d’une ville perdue, wo die ja eigentlich doch recht unerfreulichen städte und die doch recht hübsche natur (was wir halt so natur nennen) allesamt mit so richtig sozialgerechter wohnstruktur egalisiert. gemeinsam war man da mit ca 100 brüdern und schwestern, (art)genossen eben, in so einem wohnkreisel beheimatet, im inneren des cirkels ackerbau, drumherum rot- und schwarzwild. zwei badehäuser gabs je kreisel, mit duschköpfen von 150 cm durchmesser, für ein tatsächliches gemeinschaftserlebnis. vermutet werden kann das das nächste märchen ein wohl eher staatstragendes sei, was jeglicher subversion jedoch die existenz abspräche: gemeinschaftswohnen für junge polizistinnen und polizisten [prj.046] in münchen.

16 ideen bauen
ein satz, eine geste vielleicht noch lieber, oder ein gesichtsausdruck, ein handzeichen, muss reichen als main-plot. ein satz, eine geste, ein gesichtsausdruck, ein handzeichen, muss dann noch lesbar sein, bei der zigarette danach. die antizipierte Landschaftsverwerfung, hoch die grasnarbe und das gymnasium [prj.013] dadrunter geschoben. ein wohnbusch für die junge familie, die vom land in die stadt zieht und eigentlich einen anbau [prj.048] haben wollte (und am ende dann doch bekommen hat). und die vielen kleinen sub-plots, die materialien, die oberflächen, schräubchen, waschbecken und farben, die können dann, ihres main-plots gewahr, herumtollen. versuchen ihn zu untermauern. sich nicht über gebühr aufführen, nicht ablenken aber den maßstab runterbrechen.

17 runde jugend
warum wissen wir auch nicht, aber es trug sich zu, das unsere diplome, obgleich zeitlich versetzt, beide sich für kreise interessieren. ein kulturell dotierter autobahnauffahrtskreisel am münchner mittleren ring und ein gleichmacherischer bundesweiter wohnkreisel. einer deutung harren wir gespannt.

günther&schabert 17 absätze über architekturusw 1999-2005 hier als download: