19Jan/97

002b jugendherberge possenhofen

bäume wenige meter entfernt nur vom starnberger see, wenige meter entfernt nur von einem kleinen aber wohlbekannten schloss sind doch ebendiese beiden elemente entgegen den beim kartenstudium gewonnen geglaubten erkentnissen mitnichten vom grundstück auszumachen. jeder versuch, jede geste des inhaltes »ich sehe den see / das schloss aus / mit meinem gebäude!« könnte nur als zynische stellungnahmem zur stetig sinkenden lebenserwartung unserer laubbäume verstanden werden, würde allenfalls als leeres versprechen sich entlarven, als attitude dies gebäude der lächerlichkeit preisgeben.

jugend & herberge unsere haben wir gar häufig ebendort verbracht. allein oder zu zweit, unterwegs mit dem fahrrad, erst nach plattling und passau, später nach paris, oslo… teils mit der schulklasse.
aber die grossen schlafsäle, da stimmen wir unbedingt überein, waren irgendwie am spannendsten. waren das, woran wir uns erinnern am intensivsten. anall die stimmen & sprachen, und später am abend, wenn es dann doch irgendwann ruhiger wurde, an all die oleofaktorischen reize, socken & pupen, an all die vielen kleinen geräusche…
über unserem hof lässt sich ein transparentes dach aufblasen, wenn es schon wieder kälter wird abends.
die paravents vor unseren höhlen schieben wir zur seite. und versuchen abzuschätzen, wie lange das wasser was gurgelt in unserem hof wohl brauchen wird, bis es sich mit dem des starnberger sees vereinigt. und hoeren irgendwo auch noch einen schnarchen, wahrscheinlich wieder den frank.

lärm schräge schiebeelementenwände vermeiden nachhallzeiten sowohl im hof als auch in den schlafräumen. die hoforientierung vermeidet bald jegliche lärmemission in horizontaler richtung.

energie & komfort das nicht unerhebliche raumvolumen unseres entwurfes ist nicht in der lage über erstellungs- und unterhaltskosten ein urteil abgeben zu können. einen jahreszeitunabhängigen aufenthalt thermischen wohlbefindens herzustellen haben allein die hauptnutzflächen in der lagezu sein. die grosse erschliessungs- spiel- und verteilhalle dient den in ihr sich befindlichen räumen/boxen als wärmepuffer wie witterungsschutz.
in erübrigung von dichtung und dämmung sind diese einfachst konstruier- nutz- und demontierbar. die glashalle orientiert sich nach süden.

body & soul die entschieden divergierende aufenthaltsdauer, art und intensitaet der nutzung wie auch das zu erwartende nutzeralter bedingen die ebenso weite spreizung der artikulierung der wohnhüllen.

gliederung drei paralele stahlbetonscheiben öffnen ein baufeld, weisen einen tag- und einen nacht-und funktionsbereich aus. personalwohnbereiche sind nördlich ausgelagert.

matrial tag
halle: industrieller holzbau, verglast
boxen: holz, kunststoff, transluzent
räume: glastrennwände, vorhänge

material nacht
schalen: bootsbau, holz
dach: ptfe pneu
hof: lärchenrost über wasser & kies
paravents: glas / doppelstegplatten

jugendherberge possenhofen, gemeinde pöcking, landkreis starnberg
offener wettbewerb, engere wahl
[jan schabert mit christiane abel, architektin, münchen]

 

begründung des preisgerichtes:
Das mit sehr romantischen Vorstellungen vorgetragene erfreulich frische und unkonventionelle Konzept löste im Preisgericht lebhafte und kontroverse Diskussionen aus.

Es bleiben trotz des unbestritten starken emotionalen Gehalts im Räumlichen und damit Erlebnishaften viele grundsätzliche Fragen offen, wie:
– Ist die Behausung in Höhlen die richtige und auch von den. künftigen Bewohnern zu akzeptierende Antwort auf die Offenheit dieser Landschaft und der Eigenart ihres Klimas?
– Ist die Differenzierung zwischen Höhlenwohnen (auch für Gäste): Appartementwohnen in aufgeständerten Raumzellen, Elternwohnen im »normalen« Einfamilienhaus. Zeltwohnen auf dem Dach sozial akzeptabel?
– Führt die »Exklusivität« der Idee nicht auch zu einer Isolierung gegenüber der Öffentlichkeit?

Daneben treten solch »profane« Einwendungen eher zurück, wie:
– Flächenintensive Überbauung
– Tiefe Zufahrt ins Gelände mit umwegigem. rückläufigem Zugang von Osten
– Zelten über den Wohnhöhlen
– Witterungsschutz der Vorhöfe der Höhlen (die ja zugleich deren einziger Zugangsbereich sind)
– Sommerlicher Wärmeschutz der vollverglasten Gemeinschaftshalle
– Bewässerung der Wohnhöfe vor den Höhlen (Sommer, Winter, Geruch)
– Orientierung der Gemeinschaftsräume gegen die Umfasssungsmauer
– Baurecht und Sicherheitsaspekte

Bei aller Würdigung der Poesie und des Ideenreichtums- etwas mehr Realitätssinn hätte der Arbeit
gut angestanden!

 

 

18Mar/96

001 stadthalle/townhall lauf

WARUM IST DAS GEBÄUDE EINGEGRABEN?
Ein Ort mit landschaftlicher Prägung soll entstehen. Die zur Pegnitz hin abfallende Topographie wird mit dieser künstlichen Hangkante markiert. Der Blick zumMoritzberg schlägt eine ideelle Brücke in die Landschaft. Die Künstlichkeit der Dachlandschaft als Ausdruck heutiger Distanz zur Natur. Die ungewünschte Illumination der Stadthalle ermoeglicht es in diesem »Eingraben« einen lichtscheuen Raum mit einer lichtgeflutete Liege- & Spielwiese zu ueberlagern. Das Foyer, als Mittler zwischen Innen und Aussen bedient sich grosszügig seiner Südfassade.

WARUM STEHT DIE BIBLIOTHEK AUF DER WIESE?
Die Bibliothek ist Fernrohr, mitttels dem man in die Weite der mittelfränkischen Mittelgebirgslandschaft schauen kann.
Der Panoramnablick übersteigeigert den ansonsten immer weiter ins Abseits gedrängten Ort der Bücher; hier werden sie in üppiges Licht getaucht, ihrer Bedeutung als Medium des Lernens, als Quelle des Wissens zu entsprechen wird versucht.

WO PARKIEREN DIE AUTOMOBILE?
Die extrem hohen Erstellungskosten fürTiefgaragenplätze (40.000 DM / Platz) als auch die ökologischen Folgen einer Politik der unmittelbaren automobilen Erreichbarkeit eines jeden Ortes lassen uns im ausgehenden 20.Jahrhundert von diesemVerkehrskonzept Abstand nehmen. Die zwei Parkdecks entlang der Bahnlinie können desweiteren als Park & Ride Anlage genutzt werden. Nur noch ein Parkregal mit zehn Paletten ist für Bedürftige unmittelbarer Erreichbarkeit durch PKW im Gebäude installiert. 3 MINUTEN ZU FUß SPAREN 10 MILLIONEN.

WARUM VERBRAUCHT DAS GEBÄUDE KAUM ENERGIE?
Das Einhüllen des Baukörpers in Erdmassen erlaubt in Verbindung mit der voll aufgeglasten Südfassade des Foyers sowohl einen minimalen Heizwaermebedarf im Winter (geringer Transmissionswaermeverlust aufgrund relativ höherer Umgebungs=Erdreichtemperatur & solarer Energieeintrag) wie auch stark reduzierter Kuehllast im Sommer (Traegheit der Massen, Vollverschattung der Glasfassade). Die HL Technik operiert mit adiabatisch/sorptiver Luftmassenkonditionierung, zur Kühlung der Zuluft im Sommerfall kann darueberhinaus der Sonnenenergieeintrag in der Twin Face Fassade des Foyers herangezogen werden. Bei der Erstellung des Baus kommt es durch eine fehlende grossräumige Erdmassenbewegung zu weiteren Einsparungen, da das Gebäude im Anschluss an die Rohbauarbeiten wieder mit dem entstandenen Aushub umfüllt wird.

PASST DER ENTWURF INS STADTBILD VON LAUF?
Zur Kleinteiligkeit des intakten Stadtkerns wird ein zeitgemäßer Kontrast geschaffen.
EIN GESCHENK FÜR LAUF
EIN WOHNZIMMER FÜR LAUF
EINE AUSSICHTSTERASSE FÜR LAUF

LICHT Die Gebäudehülle schützt dort vor Licht, wo dies erwünscht nicht ist. Sie lässt Licht dort ein wo es in kontrollierter und konditionierter Weise brauchbar, erwünscht, oder gar erforderlich ist. LUFT Das Gebäude ist als Veranstaltungsort nicht ohne Luftkonditionierende Anlage zu realisieren. Der Saal ist mit Fussbodenquellbelüftung auszurüsten, die Absaugung der Fortluft erfolgt in Deckenniveau. Dem Foyer ermöglicht die Twin Face Fassade einen natuerlichen Luftwechsel. WÄRME In dem Eingraben des Gebäudes wird die eigentliche Fassadenfläche aus eine südorientierte Glasfassade reduziert, es entstehen (die Bibliothek ausser acht lassend) keine Nord / Ost / West orientierten Glas- / Fassadenflaechen, Waermeenergieverlustflächen.
Der Wärmeeintrag in das Foyer ist mit verstellbaren Lamellen zu kontrollieren. Die Bibliothek ist mit Schiebeelementen vor Blendung zu bewahren, flache Lichtschlitze an Ost- und Westfassade belichten die Leseplätze. KONSTRUKTION Stahlbetonmassivbau, die Foyerfassade ist innenseitig isolierverglast (TVG / ESG), die äussere Hülle bildet ein Einfachglas (ESG); Stahlkonstruktion, Holzlamelle. Die Bibliothek ist mit Brettschichtholzelementen bekleidet. Die Glasfassaden sind ebenfalls als Twin Face ausgebildet.

[mit jorgos rebouskos, architekt, münchen]

18Feb/96

000 architekturmuseum augsburg


für die erweiterung des schwäbischen architekturmuseums/augsburg waren ausstellungs- und lagerräume, zzgl einiger nebenräume gefordert. als weitgehend vorfabrizierrter aufgeständerter leichtbau vermeidet der entwurf weitestmöglich eingriffe für den bald 100 jahre alten obstgarten. die durchwegung vom altbau bis zur externen erschliessung erfolgt über einen steg, die rote lkw-planen-bespannte box enthält auf eingangslevel rezeption, verkauf & wc, die lagerflächen sind darunter befindlich. das ovalige strangprofil beinhaltet den ausstellungsraum.

schalenelemente honeycombsandwich aus nomex (weiss), aussenseitig transparent, innenseitig transluzent laminiert, direkte sonneneinstrahlung wird ausgeblendet winglets schwenkbarer sonnen- und blendschutz aus transluzentem abstandsgewebe, im geschlossenen zustand als zusätzliche wärmedämmung verglasung isolierverglaste schiebeelemente versorgungssteg energie- & wasseranschluss an bestand. verbindungssteg. gitterrrost aluminium quellüftung im ausstellungsbetrieb thermischer, im vortragsbetrieb mechanisch unterstützter betrieb mit zuschaltbarer heizung doppelboden mit unterschiedlicher belegung: a regenwassersack (hls) b stuhllager (zusammengeklappt) faltbare stellwände etc.; bsh tafeln auf bsh trägern hängebauch honeycombsandwich-schale, aufklappbar regenwasserspeicher stabilisierung des raumklimas, z.b. abkühlung der thermisch eingesaugten luft unter ausnutzung der nachtabkühlung. wahlweise mit innen-/aussenraum zusammenschaltbar. spülung wc. schilfbecken pflanzliche reinigung des brauchwassers, rückführung in den wasserkreislauf als sickerwasser.

architecture-museum augsburg, competition the extension of the swabian architecture museum, exhibition- and storage-spaces, are constructed as an low-invasive prefabricated system. translucent pneumatic membrane. water-beds as thermal storage in underbelly. natural ventilation. adjustable to climatic day/night, and summer/winter situations as well as exhibition requirements.

the design was aquired by the museum as part of its permanent collection.
der beitrag wurde in die ständige sammlung des museums als dauerleihgabe aufgenommen.