All posts by guenther und schabert

01Jan/05

17 absätze über architektur

01 maisons de verre/vert

ja, glas kann auch durchsichtig sein. kann aber auch durchlichtig sein, fast opak, spiegelnd, die umgebung verzerrt reflektieren, licht fangen, nach frequenzbereichen selektiv filtern. glas kann sich selber saubermachen, kann strom machen, kann hell und dunkel werden. glas kann merken wann es hell, wann es warm ist. aber in echt ist glas nur eine sehrsehr zähe flüssigkeit, sagen die im glaswerk. eine total tolle, mal wie rohöl, mal wie blut, mal wie milch, mal wie quellwasser. das gewächshaus von der stange wird zum wochenendhaus [prj.006]. schlappe 5 mm esg, die hintere hälfte genörpelt, das licht streuend, die vordere als floatglas. den sonnenschutz übernimmt ein apfelbaum, der die sonne ins haus lässt, wenn erwünscht sie ist, der sie aufsaugt und tolle früchte aus ihr photosynthiert. auf einer holzgitterschale als unterkonstruktion ein weiteres gebilde was als glashaus betrachtet werden kann, das haus zur wildnis [prj.016]. wilder jedoch, lichtundurchlässiger: rundumhüllt mit kissen aus glas welches dann erst noch  zu entwickeln wäre: altglas, grünes, braunes, buntes, aufgeschäumt, mit lichttransmissionswerten von vielleicht 10 bis 50 prozent, das es sich beim durchschlüpfen so anfühlt, wie vom auslober gewünscht, als erdgang im maßstab 20:1, mal dumpfes grünlich-braunes licht, dann wieder heller werdend. die äussere oberfläche müsste dann geschlossenporig sein, könnte dann, da es schön schattig mitten im wald steht, auch gerne ein bisschen moosig, algig, glitschig werden, auf garkeinen fall selbstreinigend. wild halt.  noch eine variante, die erweiterung einer strammen, satteldachigen sichtmauerwerkigen hauptschule aus den 30-ern in münster [prj.022]. das profil nehmen wir auf. aber nicht mehr in backstein sondern in (backsteinfarbig) seriegraphierten gläsern, offenere raster dort wo erforderlich, wo möglich, ins geschlossene verlaufend, wo tageslichteintrag unerwünscht wäre, mit bedrukkungsfreien ausschnitten wo die haut das klassische fenster, den sichtbezug innenaussen, spielt. und das obergeschoss öffnet sich mit sl-flügeltüren.

02 raum
zumeist sind schachterl gemeint, zimmer. zu denen führen flure, gänge, längliche räume. es hat regeln, wie breit die zu sein haben, das aneinander man vorbeikommt, ohne sich im schlimmstenfall berühren zu müssen. raum geht auch mit schachterln: eine grundschule [prj.008] im münchener norden. zwei mal vier klötze. im erdgeschoss sondernutzungen, werken, lehrerzimmer etc. und drüber je klotz, je geschoss, zwei klassenzimmer. die zwei klotzreihen mit innenliegenden balkonen verbunden, mit blick, mit räumlichem bezug zur dazwischenliegenden pausen-, zur dazwischenliegenden sporthalle, von wo du, wenn du pech hast, voll einen ball draufgezogen bekommst. um auch den raum, nicht nur die flächen durchmessen zu können, wissend zudem wo du gerade bist, hat es eine breite sitztreppe zwischen sport und pause.

03 the world is flat
es war seinerzeit wohl nicht ganz einfach den bewohnerinnen und bewohner unseres planeten die idee nahezubringen, das die erde mitnichten eine scheibe sondern vielmehr ein dreidimensionaler körper, genähert eine kugel ist. obgleich oder weil dies mittlerweile doch zum allgemeinwissen gehört, gewinnt die platte scheibe (geschossdecke…) mit weitem abstand vor dem körper, gewinnen ebene ebenen souverän vor (einachsig, zweiachsig…dreiachsig) gekrümmten flächen. als ob uns die idee mit dem körperhaften planeten noch immer missfällt, der scheibengeschichte immer noch verfallen sind. mit der gravität spielende geneigte, mit der zentrifugalkraft spielende gewundene flächen, sich verjüngende ram-pen, herumsausende helixen… im opernhausparking [prj.017] in zürich/ch windet sich eine asphalterne helix hinab, hinab in eine sonnenlichtlose unterirdische box, eine box deren in licht brennenden umschließungsflächen eine ouverture schon später haben wir mal versucht, zwei gespindelte rampen umschlingen sich zu lassen, im august-horch-museum [prj.033] in zwickau, verweisend auf geschwindigkeit und raum und zeit, auf die kleinen und die großen automobile dieses herstellers welche zu unterschiedlichen politischen systemen staffage sein durften.

04 additive
sowohl das august-horch-museum als auch das opernhausparking sind helfende annexe, ergänzungen für einen bestand mit veränderten oder mutierten nutzungen. die sich dann, in lustvoller erfüllung der ihnen zugedachten aufgaben ergehen, eine vernünftige aufgabe also haben, aber dann noch zeit über ihren zweck ebenso auskunft zu geben, wie über ihren master. nein, bloß nicht krücken.

05 lesbarkeit
wie sieht eine schule aus? wie ein wohngebäude? wie ein museum, ein klinikum? warum schauen die so aus? kann ich lesen, was der zweck eines gebäudes ist, wann es entstand, wo? müsst ich das lesen können und ist das dann irgendwie richtig oder nur so bemüht, von vornherein? oder könnte so ein bauwerk mal nicht nur scheinbar evidente und lesbare standarts repetieren sondern lustvollfröhlich mit den gewünschten räumen, den gewünschten nutzungen, den erwartungshaltungen spielen? das interessiert uns dann, die bedingungen aufzusaugen und zu hinterfragen. mit ihnen

06 ateliers trouvés
gefundene, brachgefallene orte neu zu formatieren, zu transformieren, für die stadt zurückzugewinnen, ist unser Ziel, diese »unräume« zu beleben und in ateliers [prj.051] zu verwandeln. wir legen einen erweiterten atelierbegriff zu grunde, der allen menschen räume eröffnet, räume um tätig zu werden. ateliers zum fahrradreparieren, kochen, singen, zusammentreffen. ateliers zum (re)generieren statt zum konsumieren, ateliers die in verlorenen orten eigene potenziale uns finden lassen. unscheinbare orte, unräume werden durch unsere transformationen zu öffentlichen orten im städtischen geflecht. diese verdichtung der öffentlichen anteile perforiert die unzugänglichkeit von stadt. eine auflösung der stadt (wie sie bisher existiert) ist in unserem sinne.

07 wir über uns
architekturusw martina günther und jan schabert; 1999 bis 2005 vielleicht achtzig projekte sind in dieser zeit entstanden wettbewerbe und realisierungen, vorträge und ausstellungen, möbel, kunst, grafik, usw. schön wirds dort, wo das und so weiter beginnt. wo kunst sich mit visueller kommunikation vergnügt, wo der bedrohte lebensraum der menschlichen sorte zu lustvoll bespielbarem thema sich zu entwickeln getraut. wo forensik sich mit serieller fertigung, das millionstel mit dem 1:1 paart. wo mal künstlerinnen, mal bauingenieure, mal grafikerinnen, mal energetiker, mal handwerker, mal pfarrerinnen zum wundervollen ping-pong uns gegenüberstehen, wo gemeinsam weiter gedacht und gemacht werden kann.

08 pro & contra
gegen großstrukturen · für kleinstrukturen | gegen kommerzielle arrchitektur · für ideelle architektur | gegen die perfektion · für die provisorisch | gegen rezepte · für individuelle | für grün, regenwasserfang auch in der stadt | gegen privatisierung · für öffentliche räume | gegen neuland · für nischenfüllung | gegen tot-renovieren · für verfall und verwilderung | gegen konsumieren · für aktivieren | gegen monokultur · für durchmischung | wir wollen nicht, daß sich die stadt so weiterentwickelt wie bisher | wachsen wachsen wachsen häuser häuser häuser – häßliche häuser | städte sind zu groß geworden, zu komplex; großstrukturen sind anfällig (vgl. monokulturen) produzieren viel müll, viel lärm, viel abgase; weite wege (die saurier sind auch ausgestorben)

09 raus in die stadt
beim grundbuchamt [prj.036] geht es wohl darum eigentumsverhältnisse, grunddienstbarkeiten etc. in hochgradig abstrakt abgebildeter aktenform zu lagern und verwalten. der grund wird hier, wie zu einer forensischen grabung, aufgeworfen, die decke ein wenig gehoben, verspreizt in dieser position. schwarzgraue irdene schnittkanten werden sichtbar. und der grund offenbart seine eigenschaften, seine geschichte, die geheimnisse unter seiner oberfläche. geschichten, tausende von seiten geschichten. darüber tiefe mäanderde wege, vom schlosspark in die stadt: eine vielleicht drei meter höhendifferenz überwindende rampe entlässt einen vom dach in die gute stube der winsener kaufleute wo angekommen man über ein dach gelaufen zu sein kaum in erinnerung haben wird. das dach als park im park. dächer. sind ja eigentlich eh schon ein wenig raus aus der stadt. nicht was die fläche angeht, in welcher wir gravitationsgenötigten uns nunmal zumeist bewegen, nicht in x- oder y-richtung, in welcher man nunmal zumeist denkt. raus über die stadt, auf die fünften fassaden. raufraus. in den park, über der seltsam akzeptierten untergrundbahn, über dem seltsam akzeptierten, dem motorisierten individualverkehr übereigneten sog. stadtraum. ateliers trouvés für alle und für alles.

10 schöne füße
unten an unseren beinen haben wir noch so füße dran. vielleicht das man besser stehen kann. vielleicht aber auch das sich die last ein wenig verteilt, keine übermäßigen pressungen in mensch und materie auftreten. da lässt sich dann schon fast alles erklären, was fundamente, was grundbau für studierende der architektur betrifft. das ganze spektrum bespielen, von der flächigen gründung im matsch, beim grundbuchamt bis zum zoomorphen eingespannten stahlgußfuss bei der fußgängerbrücke [prj.018]. eh, dieses lehren von konstruktion, von entwurf mit assoziativen prinzipien, nicht gleich mit den ganzen standartdetailatlanten, ist viel merkfähiger: sowas wie gefahr erkannt – gefahr gebannt. und viel kreativer, innovativer noch dazu.

11 grundrisse
sind wie die ergebnisse des hobbies blumen pressen. oder die des berufs des präparators, oder des pathologen vielleicht. ja gut, du erkennst grob die dimension. aber das wars dann auch bald. zusammengequetscht auf nach möglicheit zwei dimensionen lässt sich die form nur dann imaginieren, wenn sich in der komprimierten dimension nichts mehr in x- oder y-richtung ändert. strangprofile also, nicht wirklich aufregend, zumeist. die abbildungsform eines dreidimensionalen gebildes auf einen grundriss und schnitt, verlangt vom leser bzw gucker einen enormen aufwand an rekonstruktionslust oder forensischer neugier, den raum, das volumen, den körper nachzuempfinden versuchen. zur abbildung eines gebäudes können grundrisse allenfalls herangezogen werden um flächen nachzuweisen, um eine beurteilung der funktion, der wirtschaftlichkeit zu ermöglichen. schaf im wolfspelz spielen, oder halt wolf im schafspelz. manchmal wolf im wolfspelz oder das andere eben. manchmal auch ganz ohne pelz. müssen vereierte grundrisse unter sich bleiben, dann nur und ausschließlich rundeckig und krumm sein, oder macht es nicht eigentlich viel mehr spaß die orthogonale welt dem krummen zu öffnen, kurven mit geraden,

12 maßstab
das haus zur wildnis [prj.016] schaut so aus wies heisst, fühlt sich beim durchschlüpfen so an, wie vom auslober gewünscht, als erdgang im maßstab 20:1. es umschlingt ein paar fichten der dicht bewaldeten anhöhe, drunterdurch kanns du schauen, laufen, dich unterstellen, seine verortung ist lässige momentaufnahme viech im wald, in der bayerischen wildnis. und bigger than life.

13 symbiotische architekturen
sybiose: das nebeneinander von verschiedenen organismen zu gegeseitigem nutzen.

14 objects de plaisir
die figur vor einem grund. kommt bei uns immer wieder vor, innenräumlich, der baukörper, im städtebau auch. aber warum, was soll das, wozu soll das gut sein. an drei beispielen aus unserem oeuvre werde ich erläutern, was figur oder objekt im raum bei uns tun: spremberger straße, cottbus [prj.011], die fußgängerzone der stadt und wie die, landauf, landab bei uns halt so ausschaun: lauter figuren, lauter kleine objekte stehen da rum, manche von diesen dingern machen einen spezifischen eindruck, andere bringen bundesweite wiedererkennung in chosebuzs einkaufskilometer. aber vertragen, harmonieren tun die nicht. unser wettbewerbsbeitrag sieht eine bündelung dieser wildverteilten teile auf ein spezifisches objekt, vor einem spezifischen grund vor. der öffentliche raum ist dann hier nicht mehr (wie sonst eigentlich überall) durchsetzt von diesem ganzen zeug, sondern aufgeräumt ists plötzlich, und den raum kannst du lesen, und diese objekthaften repetitiven ordnungselemente. trash united, in der guten stube. eh, diese zusammenfassung, dieses konzentrieren, sei es in der lesbaren erscheinung der objekte oder in einer überraschenden gestalt welche den zweck teilweise auch ganz absichtlich verhehlt, das klärt. putzkammer, garderobe, 20 laufmeter karteikästen, stauraum, rezeption, trennwand. auch so ein sammelsurium ganz verschiederner dinge, wände, kisten, tische, räume. aber nichts davon siehst du in unserer zahnarztpraxis [prj.040], oder eigentlich siehst dus freilich, aber du weisst nicht, daß das da alles drinsteckt, in den vier kisten die über die praxis verteilt sind, musst du ja auch nicht wissen dient das halt dem betriebsablauf, den du wahrscheilich garnicht so genau stets vor augen haben magst. eh, diese dinger die du nicht gleich zuordnen kannst, die sich der gschwinden kategorisierung entziehen, die du dann selber dir aneignen musst, wenn du sie nutzen willst. objects de plaisir [prj.028] die um ein gymnasium in markt indersdorf herumschleichen. eklig sind die schon, aber zu dritt kannst du drauf sitzen, in der grßen pause. wie, das ist dann deine aufgabe.

15 gemeinschaftswohnen
…und sie lebten glücklich zusammen bis an ihr lebensende… eher unwahrscheinlich! naheliegender, das erst das glücklich flöten geht und dann das zusammen. und dann kommt das lebensende eh schon bald. aber nu vier märchen mit absehbarem sog. happy-end, mit ewig-glücklicher cohabitation, harmonisierenden raumgefügen usf: das märchen vom doppelhaus [prj.021], das eigentlich ja ein halbhaus ist, aber gut. zwei erwachsene geschwister mögen gemeinsam-allein wohnen: statt der trennwand welche solch ein haus bautypgerecht verdoppeln soll gibts hier eine kleine dazwischengeschaltete halle, eine piazza, ein gemeinsames foyer, atelier, akkustischer & klimatischer & sozialer puffer. …hinter den sieben bergen, bei den sieben zwergen ists tausendmal schöner als hier… beschließen n und c und kaufen sich eine baywa-halle aus den 50ern, hart am donaumoos um dort gemeinsam zu leben, zu wohnen und zu arbeiten, zu malen: atelier & wohnen eben [prj.053]. 50 mal 12 meter halle, 600 quadratmeter, sind in 1/3 wohn- und 2/3 atelierräume zu arrangieren: das aneinandersichreiben, das partnerschaftliche ringen und schieben, umarmen, angreifen und verteidigen wird zur eingefrorenen schiebewand, zum privatheit gewährenden mit nebenräumen armierten schutzwall, wird zur dreidimensional ondolierenden membran, zu einem nebenüberunteraneinanander in den 3.000 kubikmeter lebensraum. ein traum von einem märchen dann in meinem sonderdiplom journal d’une ville perdue, wo die ja eigentlich doch recht unerfreulichen städte und die doch recht hübsche natur (was wir halt so natur nennen) allesamt mit so richtig sozialgerechter wohnstruktur egalisiert. gemeinsam war man da mit ca 100 brüdern und schwestern, (art)genossen eben, in so einem wohnkreisel beheimatet, im inneren des cirkels ackerbau, drumherum rot- und schwarzwild. zwei badehäuser gabs je kreisel, mit duschköpfen von 150 cm durchmesser, für ein tatsächliches gemeinschaftserlebnis. vermutet werden kann das das nächste märchen ein wohl eher staatstragendes sei, was jeglicher subversion jedoch die existenz abspräche: gemeinschaftswohnen für junge polizistinnen und polizisten [prj.046] in münchen.

16 ideen bauen
ein satz, eine geste vielleicht noch lieber, oder ein gesichtsausdruck, ein handzeichen, muss reichen als main-plot. ein satz, eine geste, ein gesichtsausdruck, ein handzeichen, muss dann noch lesbar sein, bei der zigarette danach. die antizipierte Landschaftsverwerfung, hoch die grasnarbe und das gymnasium [prj.013] dadrunter geschoben. ein wohnbusch für die junge familie, die vom land in die stadt zieht und eigentlich einen anbau [prj.048] haben wollte (und am ende dann doch bekommen hat). und die vielen kleinen sub-plots, die materialien, die oberflächen, schräubchen, waschbecken und farben, die können dann, ihres main-plots gewahr, herumtollen. versuchen ihn zu untermauern. sich nicht über gebühr aufführen, nicht ablenken aber den maßstab runterbrechen.

17 runde jugend
warum wissen wir auch nicht, aber es trug sich zu, das unsere diplome, obgleich zeitlich versetzt, beide sich für kreise interessieren. ein kulturell dotierter autobahnauffahrtskreisel am münchner mittleren ring und ein gleichmacherischer bundesweiter wohnkreisel. einer deutung harren wir gespannt.

günther&schabert 17 absätze über architekturusw 1999-2005 hier als download:

19Jul/04

051 ateliers trouvés vortrag

münchener architekturwoche, a2, luitpold lounge
Transformationen in Architektur und Design. Verlorene, brachgefallene Orte zu transformieren, neu zu formatieren, zurückzugewinnen, zu finden, war unser vorgetragenes Ziel, Unräume zu beleben, in Ateliers zu verwandeln.
Ein Subthema der zweiten Architekturwoche – günstige Ateliers in München zu schaffen – mit dem Themenschwerpunkt der Luitpold Lounge Transformationen in Architektur und Design zu kreuzen, war unser Auftrag/Anliegen. Verlorene, brachgefallene Orte zu transformieren, neu zu formatieren, zurückzugewinnen, zu finden, war unser vorgetragenes Ziel, Unräume zu beleben, in Ateliers zu verwandeln.
ateliers
Wir legen einen Atelierbegriff zu Grunde, der undeterminierte Räume eröffnet, Räume um tätig zu werden. Ateliers zum Fahrradreparieren, zum Kochen, zum Singen, zum Treffen, Ateliers zum (Re)generieren statt zum Konsumieren, Ateliers die in verlorenen Orten eigene Potenziale uns finden lassen.
a
Ein hermetisch-abweisender Gewerbehof öffnet seinen Erdgeschossbereich mit Ateliers dem öffentlichen Raum entgegen, öffnet sein Kiesflachdach als Subsistenzwirtschafts-Naherholungsgebiet, als Weide für Wildschweine, als Spielplatz für Kleingärtner. Die Interventionen wirken auf das ganze Gebäude, auf das Viertel, auf die ganze Stadt zurück, eine von vielleicht 389 kleinteilig subversiven symbiotischen Transformationen, die eine Auflösung der Stadt im bisherigen Sinne bewirken.

b
Ein sperriges Verkehrsbauwerk, das zugleich Garagenplätze in seinem Inneren beherbergt, als auch Auffahrtsrampe zu einem Park für Fußgänger und Fahrradfahrer ist, wird in ein Atelier umgestaltet: die ehemalige Garage öffnet sich als große Arbeitshalle zu Straße hin. Ein verwaister Bistropavillon wird zum Pauseraum für alle die, die Pause von etwas machen mögen. Schöpferische Pausen. Arbeitspausen. Unterbrechungen, Zwischenspiele, Interventionen in einer vom Wunsch nach Lohnabhängigkeit bestimmten Gesellschaft.
c
et al.

[indexphoto: kathrin schäfer, münchen]

> kunst-buero.de

19Jan/04

046 gemeinschaftswohnen

die zukünftigen bewohnerinnen und bewohner des wohnmodells an der sand,- und linprunstraße sind staatsbedienstete, die für einen zeitraum von 3 monaten bis 3 jahren nach münchen kommen, um eine aus- oder fortbildung zu absolvieren z.b.polizisten, justizangestellte etc. für diesen temporären aufenthalt in münchen soll eine wohnform angeboten werden, die mit dem arbeitstitel »GemeinschaftsWohnen« umschrieben werden kann, das irgendwo zwischen jugendherberge und hotel, studentenwohnheim und wohngemeinschaft angesiedelt ist. wohnen soll als realisierbare utopie wieder zum kollektiven ergeignis werden und der vereinzelung und vereinsamung entgegenwirken.

grundstück / städtebau
die beiden über eck stehenden baulücken sind teil eines städtischen blockes, der von der nymphenburgerstraße, der erzgießereistraße, der linprunstraße und der sandstraße aufgespannt wird.geprägt ist der block von dem großmäßstäblichen justizgebäude und dessen erweiterungen. eine geschlossene blockstruktur war und ist nicht vorhanden. die offenheit und durchgrünung desblockes, das aufeinandertreffen unterschiedlicher maßstäbe sind charakteristika  dieses besonderen stadtbausteines, den wird hier mit drei vorschlägen interpretieren. interpretation des ortes die schließung der baulücken ist eine naheliegende lösung, die, wenn die maßstäblichkeit der nachbarbebauung eingehalten wird eine möglichkeit der reaktion darstellt. (»passivhaus«) eine wirkliche interpretation und überhöhung der städtebaulichen situation ist jedoch eine verbleibende öffnung im blockrand.sei es durch die »himmelhäuser«, denen ihre außentreppe den nötigen abstand zur nachbarbebauung gewährleistet oder dem »backhaus«, dem es gelingt diebaulücke an der sandstraße gänzlich freizuhalten. mehrwert durch gemeinschaftswohnen ein räumlicher, kostenmäßiger und sozialer vorteil entsteht, indem unterschiedlich große personengruppen räume gemeinsam nutzen, die bei »single-wohnen« jedem einzeln zugeordnet werden müssten. z.b. küche, bad, wohnzimmer. d das zimmer als möbel jede person hat ein eigenes zimmer, das mit einer kleinen nasszelle (wc, wb) ausgestattet ist. das zimmer ist durch einbaumöbel zur sofortigen nutzung bereit. das zimmer kann in der fläche stark reduziert sein, da das haus als ereignis zur verfügung steht. e wohnküche gemeinschaftlich genutzte bereiche sind räume, die an schnittstellen der bewegung entstehen.sie sind informell nutzbar und schwellenlos. das haus als platz und weg ein teil des hauses-dach oder erdgeschoß oder beides stehen der ganzen hausgemeinschaft zur verfügung. dachterrasse und/oder garten sind die orte deszusammentreffens. es entsteht eine hierarchie der gemeinschaftlich genutzten räume.

05Aug/03

040 bauwelt / praxis dr.s

die bauwelt berichtet über extrovertierte interieurs, und bei der gelegenheit über unsere zahnarztpraxis in gilching:

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[photos: monika ribbe]
21May/03

044 möbelsystem steelheeled cuisine

wendbare flatpack-küche aus 3 zuschnitten fassadentafel [holz-verbundwerkstoff] und ein paar z-winkeln aus 10 mm gewachstem stahl verbunden mit gesenkten rostfreien innensechskant-schrauben in geschnittenen gewinden. dann noch 2 oder 3 stahl-stangen als hänge-occasionen für kleingerät & trockentuch und fertig.

die küche wurde für eine ausstellung [»zum gebrauch«] schnell mal daheim abgebaut, transloziert und einer breiteren öffentlichkeit vorgestellt und dann wieder heim. irgendwann später konnte sie ihre lässige versabilität mittels wendbarkeit [von waschbecken links auf waschbecken rechts] anlässlich eines umzugs vorführen. und jüngst ist sie dann noch mal umgezogen. und nimmt nun an ihrem neuen einsatzort um eine achse eingekürzt den dienst auf. mal schaun was als nächstes auf sie zukommt…

 

01Mar/03

040 praxis dr. s

a
in the middle of nowhere in der s-bahn-peripherie münchens, in einem austauschbaren kleinen büround geschäftshaus aus den 90ern möchte eine junge approbierte zahnärztin ihre erste praxis einrichten.

b
gilchinger architecture parlante der arbeitsplatz aller dentalmediziner, die cavitas oris propria, die mundhöhle, wird idealisierend auf die praxis abgebildet: blitzeblanke zähne strahlen in blendendem weiß aus dieser orange-rot pulsierenden mundhöhle heraus, die zahnärztin wie auch ihre assistentinnen finden sich als beweglicher zahnersatz, weiß gewandet, inmitten des unvollständigen zahnbildes wieder, ein zahnbild ausnahmslos kariöser zähne, mit aushöhlungen für rezeption und spüle, für archiv und kunstoffüllungen. weiße möbel und einbauten vor zahnfleisch, weiße figur vor orangenem grund -ganz einfachund die zahnärztin wie auch ihre assistentinnen tragen mit ihrer weißen arbeitskleidung dazu bei dieses bild zu stärken…

the color of money das knappe budget als inspirierendes moment; die kosten der farbe, oranger kautschuk und orange dispersion: spielten die parameter ort, funktion, raum und kosten zu beginn noch antipoden, so entwickeln sie sich im laufe der diskussion zu einer eingespielten, das konzept kraftvoll ziehenden, quadriga: das eigens gemischte orange von wand und decke verursacht einen nur marginalen aufpreis zur weißen dispersion, die farbe des kautschuks ist finanziell ebensowenig nachzuzeichnen. der bewusste, weitestmögliche verzicht auf, weltliche produkte, leuchten, möbel etc., die maximierte integration der funktionselemente in die kavitäten der einbauten verhindert dann auch vermeidbare investitionen, stützt dann auch die annäherung des praxisraums an die abstraktion seiner idee, lat.: cavita oris propria.

e
entwurf empfang, warteraum, zwei behandlungszimmer, büro, massageraum, sozialraum, abstellraum sind auf gerademal drei zimmer zu verteilen. dem 40 qm großen empfangsraum sind also zwei »zähne« eingestellt: empfangtheke und archivbox, beweglich scheinende folies in diesem großraum, über beide lässt sich hinüberschauen. ungewohnt und rätselhaft in ihren proportionen gliedern sie die verschiedenen nutzungen ohne das raumvolumen zu zertrennen. die beidseitig bedienbare,


gerade zwei meter hohe aber gut einen meter dicke archivbox vereint besenkammer und zwanzig meter karteiauszüge, vereint sekretär und vorratsschrank, ist zonierender paravent vor labor und wc, ist nach oben strahlender leuchtkörper. gleich der archivbox, der ebenfalls tiefrotes linoleum ihre kaufläche umfasst, ist auch die empfangstheke zweites zonierendes element in diesem mehrfunktionalen verteilenden raum. sie erlaubt den zu empfangenden überblick, nicht aber einblick, gewährleistet wartenden wie rezeptionistin ob des großraums privatheit in der uneinsehbarkeit der sitzenden…

f
…»..sieht gar nicht aus wie beim zahnarzt..« sagen die patienten und sind erst mal beschäftigt mit den kräftigen farben, den ungewohnten möbeln – abgelenkt in jedem fall vom grund ihres besuches.

zahnarztpraxis, gilching
realisierung

> publikation bauwelt
> publikation handbuch arztpraxen

16Jun/02

039 stiftsbogen münchen

drei dörfer im park
drei dichte aber gerade einmal baumhohe dörfergliedern den neuen haderner stadtpark.die angrenzenden gebäude- und grünstrukturen weiterentwickelnd und ineinander überleitend wird das areal zum verbindenden differeinzierten freiraum.

die dörfer
dichtmöglichst gestellte, zumeist nur zwei- oder dreigeschossige wohngebäude spannen private und halbprivate freiräume auf, spielstrassen und platanenbestandene dorfplätze. die kleinmasstäblichkeit der dörfer in verknüpfung mit einer geordneten durchmischung der unterschiedlichen bewohnergruppen vermeidet sozio-ökonomische segregation, schafft ein zeitlich/räumlich verschiedentlich genutztes quartier.die aufgezeigte verteilung der baukörper innerhalb der zu bebauenden dörfer ist mehr als weiterzuentwickelnde exemplarische bemusterung denn als definitive lösung zu betrachten.

die freiräume
der park:
ein grosser undeterminierter anger, magerwiese und bolzrasen, federballfeld oder grillplatz, entwickelt sich mit abgestufter konturierung zu halböffentlichen,halbprivaten freiräumen, aber auch zu plätzen und märkten städtischen charakters hin.
ein wald: angelehnt an die vorhandenen böschungen, bildet einen breiten rücken zur baumasse des augustinums und ist informelles spielrevier der kinder.
die gärten: kleine gartenhöfe und terrassen innerhalb des dorfs, ein saum von vielerlei gärten drumherum: bewohnergärten, spielplätze, freiraum für dies und das was freiraum braucht, veränderbar im lauf der zeit. das freiraumkonzept ist betont einfach und am täglichen gebrauch orientiert, bietet aber dennoch raum für nicht-alltägliches: freilichttheater vor der stadttreppe, den zirkus auf der großen wiese, platz für markt, bücherbus, spielmobil…


die autobahn
die schallemissionen des kraftfahrzeugverkehrs auf der A96 sind nur in einer kombination aus städtebaulicher verteilung, baukörperfigur und baulichem schallschutz unter gesundheitsgefährdende werte zu senken:
·da der schalldruckpegel mit linearer entfernungszunahm im quadrat abnimmt sind die wohnungen in möglichst grosser distanz zum schallemitter angesiedelt. weniger lärmsensiblen nutzungen (verwaltung) sind kürzere distanzen zur schallquelle zuzumuten.
·zur schallquelle in ihrer höhenentwicklung ansteigende, möglichst dicht zueinander stehende querliegende, baukörper verhindern wirkungsvoll das eindringen des schalls in die quartiere.
·die dichte gehölzpflanzung auf der abstandsfläche zum emitter mindert den schallpegel nicht allein physikalisch sondern auch psychologisch.

bewegung und begegnung
die dörfer sind so konzipiert, daß sie als autofreie siedlungen funktionieren können: geparkt wird in sammeltiefgaragen, deren zufahrten sich jeweils nahe am eingang zursiedlung befinden. auch alle besucherstellplätze liegen am rand der quartiere an den äußeren erschliessungsstrassen.rückgrat der inneren erschliessung sind ring- oder stichstrassen, befahrbar für anlieferung und die feuerwehr. sie können wegen des geringen verkehrsaufkommens alsspielstrassen ausgewiesen werden und sind damit bestandteil des nutzbaren freiraums. auch ihre widmung als privatstrassen ist denkbar.ausgehend von den spielstrassen durchzieht ein dichtes netz von wohnwegen die dörfer. über dieses netz werden die wegebeziehungen des alltags nach außenhergestellt: zum park, zu schule und einkaufszentrum, zu den haltestellen des öpnv.

die polizei
vorteile der lage der polizeidienststellen im norden des grundstückes:
_fortsetzung der typologie der grössermassstäblichen solitäre  entlang an der autobahn.
_lärmschutzbebauung und pufferzone zum wohngebiet.
_eine merkfähige, präsente skulptur präsentiert sich:das gebäude der polizei nimmt die gegebenheiten des ortes auf und entwickelt sich als skulptur aus den höhenlinien des lärmschutzwalls, dem unterführungsbauwerk und der zugehörigen topografischen situation heraus.
das gebäude ist somit ein hybrid aus verkehr, landschaft und haus, das aus der schwierigen situation, bisher gelten solche orte als »unorte«, als verlorenes land, einen ort höchster dichte und identität, sowohl für die nutzer, als auch für die bewohner und befahrer, schafft.die pollzei erhält einen direkte verbindung zur stadteinwärts führenden spur der A96. das gebäude entwickelt sich vom niveau der unterführung bis hoch über die autobahn. diese ansteigende skulptur, bietet den  verschiedenen diensttellen raum für die unterschiedlichen anfordeungen.

11Jun/02

038 bürgerhaus regensburg

a_die bank ist eine bank.
ihre mitnichten unerfreulich proportionierte massigkeit ist strassenraumprägend.
ihre bausubstanz muss weitestmöglich erhalten bleiben.

b_die öffnung zum minoritenweg hin würde dem bürgerbüro keinen städtebaulich legitimierbaren, nicht mal einen hlabwegs angemessenen vorbereich gewähren. das bürgerbüro öffnet sich ins quartier hinein, hindurch.

c_das bürgerbüro ist öffentlicher durchgang, ein öffentliches stück regensburg. offen, durchlässig.
der anbau öffnet dann auch den bestand, öffnet damit auch einen teil stadt, ihren bürgerinnen und bürgern.

d_die front der frontoffices ist konkav. die bürgerin, der bürger ist umzingelt von der front. blichkontakt, für die nervösen, nicht auf ihre wartenummer vertrauenden, zu jeder dame, jedem herrn hinterm schalter. alternativ aber auch in mehrstufiger nuancierung hierzu wartemöglichkeiten für die ruhigeren, im die front umgebenden volumen.
bei klaviermusik und kindergeschrei, jedem das seine.

e_die knappen volumina von bürofluren, von minimierten entrées zusammenfassen, daraus mehrgeschossige räume werden lassen. maximal zweigeschossig natürich, dem feuer wegen. zwei jeweils doppelgeschossige volumen. von internen und externen treppen verbunden. echter raum.

f_die intervention assistiert dem bestand. ver- und entsorgung, jedwelche infrastruktur, erschliessung, flucht.

g_das dach ist flach und begrünt. regenwasserretentiv, hochwasserfeindlich also. als ob das nicht von interesse sei, an der donau. ein zweigeschossiger stahlbetontisch, darauf eine weitgehend vorgefertigte hölzerne glasschatulle.
zwischen den büros regale als trennwände, nach aussen wie zur galerie hin teils raumhoch aufgeglast, teils mit holzbekleideter vakuumdämmung.

19Jan/02

036 grundbuchamt winsen

der park als haus. das haus als park.
am nördlichen ende der winsener schloss-parkanlage direkt neben dem schloss kann das grundbuchamt nicht einfach ein weiteres »haus im park« sein, es muss versuchen als teil diesen parkes, ihn stärkend, gar erweiternd zu erhalten.

der eingeschossige körper ist park und weg und grundbuchamt…

das grundbuchamt ist eingeschossig, barrierefrei, um seinen nucleus, seine sammlung von grundbüchern und grundakten sind unmittelbar die sichtungs- und bearbeitungsräume angeordnet…

und wenn diese prägnante präsenz der akten und pläne einmal obsolet werden sollte, so wäre das kombibüro schon fertig. der grund auf dem grundbuchamt einhergehend mit dem erhaltbaren baumbestand wie dem dachüberstand sichern zuverlässig ein überaus angenehmes träges klimatisches verhalten der raumhülle zu.

das vegetabile dach ist darüberhinaus als adiabatisch kühlender verdunstungskörper ansetzbar. der bis zu einer tiefe von 2,3 bis 4,5 meter kaum tragfähige baugrund legt als wirtschaftlichste lösung die erstellung einer, zusammen mit den ug-außenwänden als »weisse wanne« ausgebildeten, tragenden bodenplatte etwa drei meter unterhalb des gelädes nahe. das so entstehende untergeschoss ist gross genug, um neben dem lager für die toten akten als abfallprodukt auch noch die stellplätze für pkw aufzunehmen. der park als park, nicht als park-platz. die decke über dem amt ist eine über drei felder zzgl ein bis zwei meter kragarmen spannende punktförmig gestützte stahlbeton-platte. ihre vertikalen lasten werden durch dickholzscheiben der kellerdecke beaufschlagt.

dachaufbau dachpark, staudengräser; substrat, 400 mm; wurzelschutz; dichtung; wärmedämmung 200 mm; dampfsperre; stahlbeton 300 mm; fugenoffen abgehängte lerchendecke bodenaufbau fliessestrich, 80 mm geschliffen, gewachst; dampfsperre; wärmedämmung 120 mm; stahlbeton 300 mm kellerbodenaufbau fliessestrich, geschliffen gewachst; wu beton 500 mm fassade dickholzwandscheiben, d = 300 mm dazwischen wärmeschutz isolierverglasung, zweifach, raumhoch; lüftungsflügel in dickholzscheiben; heizflächen, niedertemperatur, hinter holzscheiben wandaufbau dickholzwandscheiben, d = 300 mm, trennwände als reversible regalwände, holz

wettbewerb; mit lesche, henke (landschaft) obermüller, lop (tragwerk)
modellphotos: monika ribbe, münchen

19Dec/01

035 aufsessplatz nürnberg

Kiefern und Sand und Stein. Ein Stück heimische Natur in die Stadt holen: Kiefern, Sandbuck, Butzemoggerle, Sandstein. Ein Ausschnitt Steckerleswald, natürlich-künstlich, als Gegenbild zum hochdichten Stadtviertel lässt einen hochprägnenten einmaligen Platz in der Südstadt entstehen.

Im Nürnberger Raum ist die Kiefer heimisch. Vom westlichen Schottland bis zum östlichen China ist die Kiefer heimisch, von der Ostsee bis zum Bosporus. Nicht jedoch in Nürnberg. Vielleicht gelingt es ihr, Kulturen unter ihrem lichten Schirm zu vereinen.

Der Aufsessplatz wird wieder zu einem in seinen Raumkanten erlebbaren Platz. Durchgängig undbarrierefrei. Ziel ist es, einen klar strukturierten Öffentlichen Raum zu schaffen, der Platz für die Aktivitäten der Südstädter bietet. Warme Sand- und Sandstein-Farben beige, gelb-braun bis rötlich bestimmen seine Grundfläche, wie es früher die Fassaden der ihn umstehenden Häuser getan haben. Die variierende Materialität seiner Beläge lässt ein fein nuanciertes Farbenspiel entstehen: Die zentrale Platzfläche besteht aus wassergebundener Decke. In diese grosse Fläche eingelegt sind die Felder des Spielplatzes und des Marktes. Der Markt, mit grossformatigen Sandsteintafeln belegt, bietet eine vielfältigst bespielbare, keineswegs monofunktional dotierte Fläche. Die Bühne ist eine mobile Konstruktion. Die linearen Bewegungsstreifen, die früheren Strassen, sind als mit Sand abgestreuter Mastixrahmen ausgeführt. Der Boden unter der U-Bahnüberdachung ist mit beigem Betonstein befestigt.

Kiefern geben dem Aufseßplatz in Zukunft sein unverwechselbares Gepräge. geben ihm ein hohes, leichtes Dach auf schlanken Stämmen. Die bestehenden Bäume werden, bis auf die nur befristet erhaltungsfähigen Bäume integriert, die vorhandenen Baulichkeiten werden, nunmehr von einem gemeinsamem Kiefern- Schirm überstanden, miteinander versöhnt.

Der Spielplatz mit seinem Affenfelsen ist mehr Sandgrube als Großstadtspielplatz oder eben gerade Großstadtspielplatz. Krabbelfelsen und Kletterbuck. Matschloch und Rasenteppich. Auf jeden Fall unbedingt zu erobern.

Der Platzraum ist von innen heraus erleuchtet, die Differenzierung der Leuchten erweitert das Nutzungsspektrum mehr als das es die verschiedenen Bereiche eindeutig determiniert: auf der inneren Platzfläche stehen in weitem Raster 3 m hohe Stableuchten, die Überdachung des U-Bahnaufgangs wird durch eine Lichtdecke zum Leuchtkörper, über der Marktfläche, Marktbühne hängt ein Sternenhimmel auf abgespannten Pendelleuchten, Markt- oder Sportplatz?, die Skulpturen Brunnen und Wetterhäuschen sind nachts angeleuchtet.

Die Wände des bestehenden U-Bahneinhausung werden entfernt. Die unübersichtliche Toilettenanlage wird durch rollstuhlgerechte Einzeltoiletten ersetzt. Telefon, Kiosk, Fahrkartenautomaten stehen frei unter dem unbedingt zu erhaltendem Dach. Das Dach des Pavillons erhält eine neue Deckung, hell, sandfarben, die die Assoziation eines Zeltes auch in der Farbe bestätigt. Die Fassade des Kaufhauses Horten ist Orientierungspunkt, Stadtmarke, Zeichen ihrer Zeit und unbedingt zu erhalten. Die Aktivierung der grossen Dachfläche als Terrassenrestaurant mit Grünflächen könnte ein weiterer Anziehungspunkt im Rahmen der Neugestaltung des Aufseßplatzes  werden.

Platzränder: Stadtteilladen, Kindertagesstätte und Café /Restaurant  sind anzustrebende Ladennutzungen am Platz. Der Aufseßplatz mit seiner starken Frequentierung könnte das Zentrum der Aktivitäten zur „Sozialen Stadt“ werden.

mit lex-kerfers landschaftsarchitektur, bockhorn, modell: frieder grüne modellbau, wolfratshausen, modellphoto: monika ribbe photodesign, münchen, mitarbeit: sigrid gottwald, münchen

18Dec/01

034 seniorenzentrum hüttenberg

wir wurden gelost, für die teilnahme zu diesem wettbewerb. kolloquiumsanwesenheitspflicht gab es glaub ich auch. also gut, dann fuhr man halt dahin, nach hüttenberg…
die vom auslober gestellte modellplatte war aus ca 40mm gips.
und freilich haben wir das modell supertoll verpackt, kam auch supertoll in hütteberg an.
gewonnen hats nicht. und als ob das nicht genug wäre, wurde man auch bisserl mehr als deutlich darauf hingewiesen, welche wertschätzung so die tätigkeit von uns architekten hat: das modell kam, mitnichten wie vorgewehen & beschrieben in der robusten mdf-box fixiert, in 34 oder mehr einzelteilen zurück.
die pläne sind glaub ich verlorengegangen.
text ist keiner überliefert.

lageplan

schnitt, grundriss 2.og, grundriss 1.og, grundriss eg

ansicht ost, schnitt nord/süd

grundriss, ansicht, schnitt zimmer

mitarbeit: sigrid gottwald
landschaftsarchitektur: lex kerfers, bockhorn

01Sep/01

033 august-horch-museum

ein museum über geschwindigkeit. geschichten vom wind, vom asphalt. geschichten über physikalische und geselllschaftliche rahmenbedingungen über veränderung, bewegung in raum und zeit.

horch! den wind! horch! die maschine, das kraftfahrzeug als die sinne schärfendes auditorium

weisser und blauer kragen, operation todd und 4-jahres-plan, wurzelholz und plaste, gegensätze welche eher kontinuität und entwicklung denn bruch bedeuten.

ein kindergarten bezog im sozialistischen deutschland die vormalige fabrikantenvilla, besetzte dessen garten. ein schönes bild, lässt sich diese entwicklungsstätte des automobils gleichsam als dessen kindergarten sehen.

die walter-rathenau-strasse verlässt, kommt man aus zwickau, in höhe kurt-eisener-strasse die sie bis dorthin begleitende wohnbebauung. sie nimmt jedoch, an ihrer westlichen seite noch einige wohnbauten, villen, mit, erst die zweite reihe ist industriegebäuden gewidmet. dieses überschieben der funktionsschichten, das nebeneinander bzw hintereinander von gasometer, villa, park und industriehalle spricht von repräsentation, von kleinräumlicher verzahnung, lässt den industriellen bei der industrie. um die gegensätze und zusammenhänge lesbar zu machen, sind die trennenden verbindungsbauten zu entfernen, die zu ergänzenden bauvolumen auf die zweite reihe zu beschränken. die villa zur einen, werkhalle und neubau zur anderen seite, dazwischen, den industriellengarten referenzierend ein contemporärer garten.

gleich dem garten sind die gebäude, beispielhaft die werkshalle, zu klären, zu befreien, rückzuführen auf das was sie sind, auf wenig mehr als die abstrakte idee ihrer selbst.

zwei ungleiche bauliche hüllen sind hinzugestellt. sie assistieren dem bestand, klären und stärken ihn, treten mit ihm in dialog, sind auffällig und unscheinbar, andersartig, einladend, neubegierend.

gebaute bewegung der eine. transluzent, hell, offen, eingang und verteiler, bewegung im wind. bewegung im raum. bewegung in zeit. zweitakt- oder viertaktzyklus. das erfahren von zeit als geschichtsunterricht, das durchmessen des raums als emotionales erlebnis.

der andere: trésor, dunkel, geheimnisvoll. schrein und werkstatt, setzkasten von ermüdeten und wie neu erstrahlenden objects de plaisir.

2.og

1.og

eg

ug

ansicht, schnitte

von einer kleinen wassergebundenen fläche, zwischen villa und pförtnerhäuschen, bringt dich eine metallerne rampe auf die den garten partiell überlagernde ausstellungsterrasse. asphaltiert, schwarz, inhaltlich dotiert und doch neutral, erlaubt sie den übertritt vom garten in die welt der arbeit, vielleicht steht hier schon ein automobil, zwischen gläsernen mittelstreifen. drehtüren, 2-zylinder, 4-takt, versprechen zutritt zu einer offensichtlich an die werkhalle angestellten bald immateriell leichten transluzenten hülle. realer oder inhaltlicher einstieg? eingestellt, kasse und information, vorbei: ganz verkehrsfläche, nein, verkehrsraum: horizontale und vertikale bewegungen, das gläserne dach schwingt sich erst als wand, dann als fussboden in die tiefe, das asphltdeck welches dich begleitete bis unters diaphane dach windet sich um sich selbst und nach unten, saugt dich mit, auf einem seiner wege den raum und damit die zeit zu durchmesssen. als oberlichtbänder erkennst du unten angekommen die mittelstreifen der terrasse, eine grosse stützenfreie halle, der sich mal ein mehrzweckraum, mal eine wechselausstellung, auch beides, bemächtigen. der multifunktionsraum erweitert den raum, nimmt am erlebbaren volumen teil, läd zu kurzzeitigem verweilen bei einer videoprojection vielleicht, ein. vier stufen höher, über zahllose wahlfreie treppen zu erreichen gelangst du in den abgesenkten ehem. keller der werkhalle.

eine der rampen schleudert dich wieder nach oben, leicht überhoÅNht zum glück, das es dich aus der bahn nicht trägt, direkt in die alte werkshalle. wahnsinnig gross & klar, nackte konstruktion, reine tragstruktur, voller preziosen der automobilgeschichte.

alles gesehen, viel gelernt, erregt noch. die villa, gesellschaftliches zentrum seinerzeit wie heute, betrittst du, den asphalt über einen schlanken steg verlassend. separée, salon und bar, dessommers auch der cafégarten laden, die historische funktion fortführend, gäste der horch werke zwickau zu tisch, während der arbeitszeiten aber auch danach.

wissenshungrig? das kontorgebäude, das lager der fabrik. lager für automobile und von teilen derer. und lager für wissen. einem optimierten produktionsablaufes gleich sind hier alle bereiche der bibliothek niveaugleich angeordnet, die nähe zu verwaltung und restauratoren sichert höchstmöglichen nutzen zu.. das archiv ist eingestellt, das ganze oberbelichtet. bei difficilen fragen kann der, im zimmer des prokuristen, nebenansitzende museumsdirektor konsultiert werden.

draussen wieder, vorm kontorgebäude, ein letztes sammeln oder ausruhen. die sitzrampe, vom asphalt in den gleisschotter, referenziert die transportlogistik der operativen jahre, ist heute nicht nur der belegschaft brotzeittisch, ruhebank.

auf bsh rahmen bildet ein mehrlagiges, kieselsaÅNuregefülltes fluorpolymer die dachkonstruktion des stromlinienkörpers ab.

das kiesgedeckte regenwasserretentionsbecken wird neben dem einsatz als brauchwasser auch zur kühlung der gebauten volumina herangezogen: der tagsüber über einen wärmetauscher erwärmte speicherinhalt wird desnachts im überstroÅNmen das polymerdachs einer adiabatischen kühlung unterzogen.

wettbewerb; 09/2001
landschaft: keller & kern, münchen
modell: frieder grüne, wolfratshausen
photo: monika ribbe photodesign, bad aibling

18Aug/01

031 gymnasium / high school erding

das dritte erdinger gymnasium antizipiert land,
das dritte erdinger gymnasium antizipiert stadt.


als landmarke aber auch als stadtmarke
stellt es die bis a.w. existente stadtgrenze dar,
bildet diese ab, bedeutet diese,
ist suggerat und surrogat der jeweils jenseits
zu erwartenden räumlichen situation.

dem ausblick aus den klassenzimmern heraus
entsprechen die von den fachklassen gewährten einblicke,
die antagonisten weite und enge und stadt und land
sind auch von innen heraus differenziert zu erleben.

[mit lex-kerfers landschaftsarchitektur, bockhorn]
18May/01

029 erptg nürnberg

Die Intensivierung und Strukturierung einer möglichst umfangreichen demokratisch-heterogenen Nutzungsmischung, das Anfüllen und mehrschichtige Überlagern von Funktion und Bedeutung, von Historie und Gegenwart, von Gestaltungsformen und Dimensionen, ermöglicht dem Reichsparteitagsgelände seiner historischen und gesellschaftlichen Verantwortung gerecht werden zu können, fordert zu einer Auseinandersetzung mit dem Ort auf, ermutigt die Geschichte des Ortes, aber hierin gerade auch die Eigene sich anzueignen.

Mehrschichtige Nutzungen und Nutzungstiefen, kein frontaler Geschichtsunterricht, sondern Historie en passant, zum selberentdecken, und doch ablesbar gelassen, ablesbarer gemacht, aber inspirierend statt dozierend.

Zur Stadt einladend sich öffnend den Fussball neben der Messe, mit der Messe, gemeinsame Parkierflächen sich teilend, ein gemeinsames Umfeld belebend, sich weniger störend als synergetisch fördernd. Ein erst zu erfahrender, zu belegender Bürgerpark, nicht streng funktional dotierte Flächen, eigentlich ein Glücksfall.

Geschichtsstationen An den vorgesehenen Punkten des Geländeinformationssystems enstehen Räume, oberirdisch oder in der Erde, die Geschichte sinnlich vermitteln. Die Geräuschkulisse, das Klatschen der Massenversammlungen könnte hörbar sein. Ein Einschnitt in den Schuttberg lässt einen Erdraum entstehen.

Platz der Opfer des Nationalsozialismus | Meistersingerhalle Der stark vom Verkehr und von räumlicher Zusammenhangslosigkeit gekennzeichnete Platz erhält durch die Öffnung des Fischbaches, und die dichten Baumreihen ein eindeutig landschaftliches Gepräge. Er ist, von der Stadt aus gesehen, der Auftakt zu den Freibereichen des Luitpoldhains und des Reichsparteitagsgeländes.

Zeppelinfeld Die Freifläche innerhalb der Tribünen wird zu einer Wiese. Nutzungsneutralität ist hier das Thema des Ortes. Die Nationalsozialisten haben den Ort funktionalisiert. Jedes Gebäude, jede Fläche war zweckdefiniert. Das Angebot einer grossen Wiese für den Jedermannsport soll Projektionsfläche unserer pluralen Gesellschaft sein. Die Strasse zwischen der grossen Tribüne und der Wiese ist frei nutzbar (skaten…) und wird nur bei Grossveranstaltungen mit als Parkfläche genutzt. Das LKW-Parken wird hinter die Tribüne verlegt. Veranstaltungen wie Rock im Park, Norisrennen usw. sind zu begrüssen.

Grosse Strasse Die Grosse Strasse wird in Ihrem Anfang und Ende ausformuliert. Die Sitzstufen und die dazwischenwachsenden Bäume sind zu schützen. (Geschichtsschutzgebiete)

Grundstein Der Grundstein des Deutschen Stadions bleibt an seinem ursprünglichen Ort und wird bei der Konzeption des Parkhauses berücksichtigt. Seine Zugänglichkeit muss gewährleistet sein.

Sportflächen Die Sportnutzung wird intensiviert. Neue Sportfelder zum Aufwärmen, für den Schulsport und verschiedene Sportarten entstehen. Die Wegebeziehungen zum Biergarten und die Anbindung zur S-Bahnstation Frankenstdion werden verbessert.

Biergarten Der Biergarten am neuen Messeturm ist ein neuer lebendiger Treffpunkt in der Mitte des Geländes. Die Lage am Wasser und in Messenähe  macht ihn besonders attraktiv .

Messe /Messeturm Die Messe erhält als weithin sichtbares Zeichen einen Messeturm. Der Turm, mit Aussichtsplatform und eine kleiner Restauration, ist vom Reichsparteitagsgelände für alle Besucher zugänglich. Die Messe wird auf eine Nachverdichtung, bzw. eine Ausweitung in die Verkehrsflächen nach Süden hin untersucht. Eine weitere Ausdehnung des Messegeländes auf das Reichsparteitagsgelände ist nicht möglich.

Erschließung und Parken Die Anzahl der Parkplätze wird in vollem Umfang erhalten. Zusätzlich  ensteht eine Parkharfe mit Parkdecks an der Beuthener Strasse. Ein Mehrangebot von Parkflächen könnte durch die Entwicklung von Parkhäusern in der Verkehrslandschaft südlich der Messe entwickelt werden.

Kongresshalle Die Kongresshalle soll eine kleinteilige, vielfältige Nutzung erfahren, kritisch, kreativ, demokratisch. Wir sehen in der Nutzungsheterogenität die Möglichkeit einer demokratischen Aneignung des Gebäudes, damit einhergehend des gesamten Geländes. Der Kongresshallentorso wird in seiner Monstösität mitnichten reduziert, sondern vielmehr durch das Relativieren an der Bezugsgrösse Mensch in seiner Maßstabslosigkeit erst begreifbar gemacht, der Auseinandersetzung übergeben.

Die vorhandenen Anschüttungen am Gebäude weden entfernt. Die baulichen Eingriffe berücksichtigen die Struktur des Gebäudes, die Treppenhäuser werden, mit Glas verschlossen, zu unbetretbaren horreurs vacuii. Der Innenhof bleibt nutzungsneutral als freie Fläche. Konservierung und reversible Veränderung sind der Leitfaden im Umgang mit der historischen Substanz.

Die Stadt übernimmt die Vermietung der Flächen. Die vermieteten Einheiten haben eine Grösse von 50  – 1000 qm und Raumhöhen von 3 m – 11 m. Über ein Bewerbungverfahren werden die geförderten Mietflächen anhand eines noch zu bestimmenden Kriterienkataloges vergeben. Ein größtmögliche Nutzungsmischung ist angestrebt. Politische, soziale, gesellschaftliche, energetische Organisationen, Schreinereien, Schlossereien, Druckereien, Planungs,- Grafikbüros, Startups, Existenzgründer, Wissenschafts,-Technologiezentrum, Ateliers, Galerien, Kulturelle Organisationen, Bars, Lounges, Gastronomie, Schulungen, VHS et al.

städtebaulicher ideenwettbewerb, engere wahl
[mit lex-kerfers landschaftsarchitektur, bockhorn]